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Mittwoch, den 5. Januar 1881

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yt Politische Jahresschau.

II.

In Oesterreich gilt das Sprichwort: »So viel Köpfe, so viel Sinne," — es drückt der ganzen Politik ihren schwanken» den, verschwommenen Stempel auf. Bald ist er die ungarische Reichshälfte jenseits der Leitha, welche die erste Flöte spielen will, bald sind es die Czechen in Böhmen, die das Karnickel abgeben, bald da» eine oder andere der 17 Kronländer, das den Herren in Wien am Zeuge flickt, — im» mer gab's Reibereien, wie solche auch in einem großen Lande, das aus allen mög­lichen Elementen und Volkrstämmen zu­sammengeschweißt ist, unausbleiblich sind. Die Deutschen, die doch den Hauptstamm bilden, werden befehdet von den Czechen und Slaven, und dann haben die Kroaten, die stolzen Söhne der Pußta und wie die Mausefallenkrämervölkchen alle heißen, auch noch einen besonderen und recht harten Kopf. Unter solchen Umständen hat das Ministerium, da» es allen recht machen soll, einen sehr schwierigen Standpunct. Der Zwiespalt der Meinungen drehte sich vorzugsweise um die Frage, ob Oesterreich liberal oder konservativ regiert werden soll. Der eigentliche Liberalismus ist in dem katholischen Staate nicht am Ruder, aber von einer wahrhaft conservativen Regierung kann auch nicht die Rede sein. Halbheit, unentschlossenes Schwanken von links nach rechts, das ist das Charakteristische der Lage und diese fand ihren verkörperten Ausdruck in dem sog. Coalitionrministerium Taaffe, da« nicht Fisch und nicht Fleisch

ist. Daß Oesterreich auch an Deficits lei­det, versteht sich von selbst.

Mit Stolz darf die S ch w e i z auf das Jahr 1880 zurückblicken, denn am Sonn­tag den 29. Februar erfolgte die Durch- bohrung des Gotthard. Ein großes Werk von weltgeschichtlicher Bedeutung, ein Rie­senwerk zehnjähriger Arbeit war damit voll- \ endet und die viele Meilen breite Felsen­brust de» Gotthard von Norden nach Sü» den durchbohrt. Ende April dieses Jah­res hofft man den Tunnel dem Eisenbahn­betrieb übergeben zu können. Damit ist auch leider olles Gute, was aus dem Hei# nm Gebirgslande zu berichten ist, erschöpft. Der „Culturkampf" ist nicht beseitigt, fängt sogar mit neuer Heftigkeit nach kurzer Ruhepause wieder an. Der „Alttatholicis- mus", der in Deutschland gar keine Rolle mehr spielt, machte m der Schweiz das kläglichste Fiasco. Die „altkatholischen" Pfarrer verdufteten einer nach dem andern, und wer sich nicht auf die Strümpfe machte, erhängte oder ertränkte sich. Der neuge­wählte Bundespräsident Anderwert wählte aber eine andere Todesart: er erschoß sich.

Ein recht wüstes und trauriges Bild zeigt uns Italien. Leere Staatscaffen, : Parteihader, Elend des Volkes, Reibereien zwischen der Volksvertretung und dem Mi­nisterium, das am Wechselfieber litt, revo­lutionäre Umtriebe, — das sind die Ge­bilde auf der politischen und socialen Ober­fläche. Im November 1879 erhielt das unglückliche Land ein neues Ministerium und im Mai 1880 ein neues Parlament, aber geordnete Zustände brachten all' diese

Versuche nicht mit sich. Das Cabinet gleicht einem Taubenschlag und die Kammer einer Judenschule. Trotz der Confiscation der Kirchengüter und der hohen Steuern sind die Cassen leer, und die Köpfe sind voll von revolutionären Ideen, die sich theils gegen die eigene Regierung, theils gegen Oesterreich wandten. Der verrückte Schwä­tzer Garibaldi hatte die Stirn, in einem schamlosen Briefe an den Pariser Commu­nisten Pyat allen Königen und Priestern den Untergang zu wünschen; trotzdem ver­kehrte König Humbert in Rom in freund­lichster Weise mit ihm I Dann zog der alte E—infaltspinsel im Lande umher, predigte die Revolution, und die Regierung ließ ihn in Ruhe. — Die katholische Partei, dir sich Jahre lang von den Wahlen fern hielt, hat endlich ihre Schlafmütze abgezo­gen und sich gerührt. In Folge dessen siegte sie bei den Gemeinderathswahlen in mehrereren Städten, z. B. in jRorn, Venr- nedig, Vicenza u. a. — Der hl. Va­ter Leo XIII. war nicht auf Rosen **• bettet; mit fast allen Staaten Europa'S, mit Rußland, Deutschland, Belgien, Frank­reich rc. stand er in Unterhandlungen, theils um die Lage der Katholiken in jenen Sen«, dern zu bessern, theils um Mittel,on die Hand zu geben, die Geister des Umsturzes zu bändigen und die Völker auf andere Pfade zu führen. Der Papst hat bittere Stunden erlebt; mit Deutschland kam er zu keinem Ziele; Belgien warf ihm den Fehdehandschuh hin, Frankreich hob die Klöster auf, — überall sah er die ihm anvertraute Heerde bedrängt und seine Be-

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Die Heldin des Böse«.*)

Nach dem Französischen von I. Rüttgers.

(Fortsetzung.)

„Was sagen Sie da, Leopold? Glauben Sie, ich würde je damit einverstanden sein, der väterlichen Autorität Trotz zu bieten? Soll auf diese Weise der Himmel eine Ehe segnen?"

„Bah, — ich kenne meinen Vater, er ist die Güte selbst, und wenn unsere Ver­bindung eine vollendete Thatsache sein wird, so zweifle ich gar nicht, daß er sie nach­träglich gutheißen wird . . und Sie in seinem Hause empfängt. ..."

„Aber bis dahin muß man leben — und woher sollen wir die Mittel nehmen?"

„Ich könnte über mein mütterliches! Erbtheil verfügen; blo» das Schloß von - Hacheville trägt feine achzehn Tausend Francs Rente ein. Tinah, Sie find damit einver­standen, nicht wahr? Schlügen Sie mir meine Bitte ab, — e» würde mein Todes- urtheil sein. . .

„Unglücklicher! Wa» sagen Sie da? Nun ja denn . . . aber vor drei Monaten nichr. Und wenn er Ihnen später leid thut, dann denken Sie daran, daß Sie es find, der e» so gewollt hat." {

„Mir leid thun! Wem Sie durch Ihre Einwilligung den Himmel öffnen. . . ."

Hätte er in dem Augenblicke, wo er diese Worte aussprach, den Ausdruck der Phy­siognomie der Schauspielerin sehen können!

„Jetzt," sagte Sie fröhlich, werde ich Sie aber vor die Thür setzen, denn da ich ganz bestimmt morgen früh nach Brüssel abreise, so habe ich noch manche Vorberei­tungen zu treffen. . ."

„Also Sie bestehen darauf abzureisen?"

„Ganz gewiß ... das heißt, nicht eher als binnen vierzehn Tagen, sonst würde ich Sie überhaupt nicht empfangen. Sie versprechen ja. ... — „Gut denn; also in vierzehn Tagen!"

Der junge Mann verabschiedete sich. Kaum war er hinaurgegangen, als das listige Weib, in die Hände klatschend und herumhüpfend, ausrief:

„Endlich ist es mir gelungen! ... Er ist wirklich schrecklich dumm! aber mir soll'« gleichgiltig sein. ... Ich bedurfte einer solchen Existenz, wie diejenige, welche er mir geben wird, um zu vergess n. . . . War wird in Zukunft für Madame de Vaillantpont, de Burvoisau, de Hacheville u. s. w. die gehässige Vergangenheit zu be- deuten haben? Ein Traum . . . nicht» al«

ein Traum, der gleichfalls vergehen wird, wie Alles auf dieser Erde."

Ein halbes Jahr später hielt eine Post­chaise vor der Thür des ersten Hotels von HeSdin, im Departement Pas - de - Calais, und zwei Personen, ein Mann und eine Frau, in reicher, eleganter Kleidung steigen aus derselben. Es waren der Graf Leo­pold de Vaillantpont und Tynah Mylio, die unterdeß seine Frou geworden war.

„Man wird Dir dein Zimmer on weif en, meine Liebe," sagte der junge Gatte; ich werde sogleich wiedelkommen. Hier ist Dein Nachtsack; er ist so schwer, al» wenn alle Kleinodien des großen Lama sich da­rin befänden. Der Bediente wird ihn hin- aufsckaffen."

Sobald sie das Zimmer betreten hatte, welches man ihr anwies, entließ sie den Diener und drehte den Schlüssel der Thüre um. Eiligst öffnete sie einen der Koffer, welche man ihr in'» Zimmer gebracht hatte, und zog aus ihrem Nachtsacke eine kleine kupferne Caffette heraus, welche sie sorg# fälltig unter den Kleidern verbarg, die der Koffer enthielt. Zugleich murmelte sie bei fich:

„So lange diese« Kästchen in Sicher­heit sein wird, werde ich selbst in Sicher­heit sein. . . . Aber niemals wird Leopold