Zntelliaenz-Blatt der freien MM Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt. Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
M 294. Samstag den 12. December 1863.
Ueberblick der (Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 12. December. Der Preußische „Staatsanzeiger" theilt die Antwort des Königs von Preußen auf die Einladung des Kaisers der Franzosen zur Betheiligung an einem europäischen Con^resse im Original und in Uebersetzung mit. Die letztere lautet:
„Mein Herr Bruder! Indem Ew. Majestät den mir am 18. November durch Ihren Botschafter übergebenen Brief an mich richteten, durften Sie überzeugt sein, daß die hochherzigen Gesinnungen, von denen Sie erfüllt waren, bei mir diejenige herzliche Zustimmung finden würden, die ein Souverän, dem das Wohl seiner Völker am Herzen liegt, dem edlen Ziel nicht verweigern kann, welches Sie den europäischen Mächten durch Ihre Einladung zu einem allgemeinen Congresse stellen. Die Verträge von 1815 haben im Laufe eines halben Jahrhunderts nothwendigerweise diejenigen Veränderungen erfahren müssen, die der unwiderstehliche Einfluß der Zeit und der Eretanisse auf alle menschlichen Einrichtungen ausübt. Dessenungeachtet bilden aber diese Verträge immer noch die Grundlage, auf welcher das politische Gebäude Europa's beruht. Für alle bei der Aufrechterhaltung der Ordnung und des Friedens interessirte Regierungen wird es also eine ihrer gemeinsamen Bemühungen würdige Aufgabe iein, diese Grundlage zu befestigen, diejenigen Theile derselben, welche bereits zerstört sind, oder beseitigt werden müssen, zu ersetzen, und die verkannten oder bedrohten Bestimmungen mit neuen Garantien zu umgeben. Dies ist das Werk, an dem ich mich von ganzem Herzen und mit der vollständigen Freiheit betheiligen werde, nur meine Sorge für die allgemeinen Interessen Europas dabei zu Rathe zu ziehen, indem Preußen, da es die Gränzest der Verträge nie überschritten, kein bestimmtes Interesse hat, die Vereinigung eines Congresses zu veranlassen, oder zu verhindern. Diese Lage gestattet meiner Regierung, ihre unparteiische und uneigennützige Mitwirkung der Aufgabe zu widmen, unter den einberufenen Mächten eine vorläufige Verständigung über das Prinzip des Congresses zu Stande zu bringen und durch vorsichtig geführte Unterhandlungen die Schwierigkeiten zu beseitigen, welche in einem ganz der Versöhnung und dem Frieden gewidmeten Werke den Saamen der Uneinigkeit ausstreuen könnten. Zu diesem Zwecke wird meine Regierung bereit sein, die Eröffnungen entgegen zu nehmen, welche ihr im Namen Ew. Majestät Behufs eines vorbereitenden Gedankenaustausches gemacht werden. Ich danke Ew. Majestät für die Gastfreundschaft, die Sie mir anzubieten die Güte haben, und bin überzeugt, daß ich in Paris die herzliche Aufnahme finden würde, welche mir die Erinnerung an meinen Aufenthalt in Compiegne so thener