Intelligenz-Blatt
der freien Stadt Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt. Organ der hiesigen Staatsbehörden, M
und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)
JK 186. _______Samstag den 8. August___________1863.
Ueberbliek der Creignisse Lm Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 8. August. Das „Journal de St. Petersbourg" veröffentlicht die nachstehende Depesche des Fürsten Gortschakoff an den Geschäftsträger in Wien, Herrn v. Knorring, welche dem Grafen Rechberg vorgelesen wurde: „Petersburg, 15/27. Juli. Herr Graf Rechberg hat an die Botschafter Sr. k. k. Apostolischen Majestät bei den Höfen von Frankreich und England unterm 19 Juli eine Depesche gerichtet, welche von der Wiener „Presse" veröffentlicht wurde. Dieses Schriftstück scheint zum Zwecke zu haben, den Gedanken, welcher die Politik des Wiener Cabinet« in der polnischen Frage leitet, gegen jede- Mißverständniß in Schutz zu nehmen. Der österreichische Herr Minister des Auswärtigen wird uns gestatten, dasselbe Licht über die Absichten zu verbreiten, welche unsere letzten Eröffnungen dicttrt haben. Nicht ohne einige Ueberraschung haben wir gesehen, daß Herr Graf Rechberg die Möglichkeit eines geheimen Gedankens von Seiten des kaiserlichen (russischen) Cabinets andeutet. Wenn ihm diese Beurtheilung von dem Wunsche eingegeben ist, jeden Gedanken eines separaten Einverständnisses zu beseitigen, das als unverträglich erscheinen könnte mit den Verbindungen, in welche das Wiener Cabinet sich begeben, und mit dem Ausgangspunkt«, an welchen es seine Schritte knüpft, so beeilen wir uns Zeugniß abzulegen, daß keinerlei Einverstândniß zwischen ihm und uns bezüglich dieser letzten Eröffnungen stattgefunden hat. Wir hatten kein Geheimniß zu machen aus den loyalen, vollkommen im Sinne und Wortlaute der Verträge von 1815 begründeten Vorschlägen, auf deren Grundlage ein Ideenaustausch beliebt wurde und welche, nach unserer Ueberzeugung, eine friedliche, den Jntereffen deS Königreichs Polen entsprechende Lösung enthalten. Das kaiserl. Cabinet hatte geglaubt, aus der Depesche vom 18. Juni schließen zu können, daß Herr Graf Rechberg unsere Weigerung geahnt hatte, einer Conferenz der acht Mächte zur Verhandlung über die Bestimmungen der Wiener Schlußacte zuzustimmen, da Se. Excellenz die Zustimmung der österreichischen Regierung der vorhergehenden Einwilligung Rußlands zu dieser Combination unterordnete. Wir hatten daraus keinerlei Billigung gefolgert. Wir hatten in diesem Vorbehalt ein Gefühl der Würde gesehen, welches in ähnlichem Falle das Wiener Cabinet für sich selbst in Anspruch genommen hätte, und wir haben einem Acte der Billigkeit Gerechtigkeit widerfahren lassen. Die Erwägung dessen, was die Würde Rußland» erheischte/konnte nur unserem erhabenen Gebieter zustehen; aber es war augenscheinlich, daß eine Combination, welche nicht der Würde des Landes entsprechend schien, schon deßhalb als unmöglich beurtheilt werden mußte. In unserem Vorschlag« einer