Intelligenz-Matt
der freien Stadt Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt. Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
M IM Samstag den 9. Mai 1863.
UsberblLÄ der WreiMiffe Lm OebLete dsr potiLLsche« «nd MKterieksn Interessen.
Frankfurt, 9. Mai. Der Pariser „Moniteur" theilt Folgendes mit: „Da die Antwort der russischen Regierung auf die französische Depesche über die polnischen Angelegenheiten in verschiedenen Journalen zu irrigen Auszügen und Deutungen Veranlassung gegeben hat, so halten wir es für nützlich, sie nachstehend zu veröffentlichen. Diese Depesche wurde nebst der Beilage dem Herrn Minister des Auswärtigen am ersten Mai von dem hiesigen russischen Gesandten verlesen und.in Abschrift hinterlassen. Man wird sich, beim Lesen dieser Actenstücke, leicht davon überzeugen, daß sie die Bahn für Versöhnungspläne eröffnen, und man wird darin die Grundlagen für Unterhandlungen finden, um eine Verständigung zwischen den verschiedenen Höfen herbeizuführen, welche in diesem Augenblick nach Mitteln suchen, um die rechtmäßigen Interessen Polens sicher zu stellen."
Fürst Gortschakoff an Baron Budberg in Paris. St. Petersburg, den 14./26. April 1863. Herr Baron! Am Vormittag deS 5./17 April hat der französische Gesandte mir eine auf die Lage des Königreichs Polen bezügliche Depesche mitgetheilt. Ich übermache Ew. Excellenz Abschrift dieses Actenstücks, das ich sofort Sr. Majestät vorgelegt habe. Unser allerhöchster Gebieter hat aus demselben die Ueberzeugung geschöpft, daß die im Namen des Kaisers Napoleon kundgebenen Absichten vollkommen mit seinen eigenen Übereinsttmmen. Die französische Regierung legt in Betreff der traurigen Vorgänge im Königreich Polen Gefühle an den Tag, die keiner menschenfreundlichen Regierung fremd bleiben können. Sie vermag keinen Augenblick über die tiefe Betrübniß, welche eine solche Sachlage unserm erhabenen Gebieter bereitet, so wie über die lebhafte Besorgniß, welche dieselbe Sr. Majestät einflößt, und den heißen Wunsch zweifelhaft zu sein, deren Ausgang zu beschleunigen. Die französische Regierung weist auf den Rückschlag dieser Aufregungen auf die benachbarten Staaten und auf die Beängstigung hin, welche dieselben in dem übrigen Europa hervorrufen. Unser erhabener Gebieter gibt das gerechte Interesse zu, welches die angrenzenden und die übrigen an der Regelung der Geschick« Surova'S betheiligten Mächte natürlicherweise allen diesen störenden Verwickelungen zollen müssen. Allein daS Interesse Rußland« an den eS so nahe berührenden Ereignissen ist gewiß nicht minder tief, noch sein Wunsch, die Ruhe in dem Königreich und die Sicherheit in Europa wieder herzustellen, minder lebhaft und aufrichtig. Die Regierung des Kaisers Napoleon bezeugt endlich ein Vertrauen in die freisinnigen Dispositionen unseres erhabenen Gebieters und ist von einem Gefühle der