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Intelligenz-Blatt der freien Kadi Frankfurt. /^M. verbunden mit dem Amtsblatt. Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten a!s Extrabeilage. 8

(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)

M 108. Donnerstag den 7. Mai 1863.

Ue-erbliek der Creiguiise im Gebiete der politisches «n- «raterieUen Interessen.

Frankfurt, 7. Mai. Wir lesen in der „Norddeutschen allgemeinen Zeitung": „Die russische Antwort ist in Paris eingetroffen. Das ist das große Tagesereigniß. Hatte schon die österreichische „Generalcorrespondenz" über den Inhalt der russischen Note an den Wiener Hof die beruhigendsten Versicherungen gegeben, so finden diese Anschauungen in den französischen Blättern ihr lautes Echo. Dieß letztere ließe, und zwar mit größerem Rechte als die russische Antwort, auf schönes Wetter am politischen Horizont schließen. Denn ohne große Prophetengabe konnte man vorhersehen, daß das russische Kabtnet, mochten die Intentionen des Kaisers Alexander sein, welche sie wollten, die Situation sehr vorsichtig ins Auge fassen würde. Zudem war dem Fürsten Gort« schakoff im Hinblick auf allerdings anzuerkennende Reformen, welche die russische Re­gierung seit längerer Zett in Polen angebahnt hatte, ein durchaus günstiger Boden für seine Antwort geboten, und wenn das Pariser Kabinet ernstlich für das Schicksal der polnischen Nation besorgt ist, so ist demselben sicherlich auch nicht fremd, wie schwierig es ist und wie lange Zett dazu erfordert wird, derartige Reformen zu Ende zu führen, und das „couronnement de l’édifice“ zu vollenden, ohne Gefahr zu laufen, vaß der ganze, mühsam aufgeführte Unterbau zusammenbricht.

Sehr richtig bemerkt die „Patrie", daß wenn die Intentionen des russischen Cabi- nets der Tuilerten übereinstimmen, doch die „Mittel zur Ausführung" zu dis« kuttren bleiben.

Gerade in dieser Verschiedenheit der Ansichten über die Mittel liegt der Schwer­punkt der Situation. Und gerade in der Auswahl und in der Meinung über das Zeitgemäße der Mittel unterscheiden sich im politischen Leben die Parteien.

Somit ist die polnische Frage durch die Antwort Rußlands durchaus in kein anderes Stadium getreten, als sie es vorher war.

Die Frage vermehrt eben nur die allgemeine politische Unbehaglichkeit, welche schon so lange auf Europa gelastet, sie ist ein weiteres Motiv zü den ungeheueren Rüstungen, welche die europäischen Staaten nun schon so lange in Anspruch nehmen, sie ist ein neuer Beweis für die Nothwendigkeit, daß auch Preußen in Waffen bleiben muß. Denn welcher Art auch immer der Weg sein möge, den die Verwicklungen der äußern Politik Preußen einzuschlagen nöthigen werden, immer wird man nur dann in der Lage sein, diesen Weg zu verfolgen, und daS Vaterland glücklich vor den Stürmen