ZntMigenz-BZatt der freien Mâdt Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt. Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
M 102. Donnerstag den 80. April 1863.
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Frankfurt, 30. April. (Diplomatische Actenstücke, die polnische An- Ölegenheit betreffend.) I. Oesterreich an Rußland. Die Depesche, welche österreichische Cabinet in der polnischen Angelegenheit an seinen Geschäftsträger in St. Petersburg, den Grafen Guido Thun, unter dem 12. April gerichtet hat und die am 16. d. M. in St. Petersburg vorgelesen worden ist, lautet in der Uebersetzung: „Seit der Niederlage und Zersprengung der nach Zahl und Organisation bedeutendsten bewaffneten Banden darf man annehmen, daß der Aufstand in Polen auf weniger ernsthafte Verhältnisse zurückgeführt ist. — Diese Thatsache, welche die russische Regierung der bis dahin auf ihre Würde und auf die militärische Ehre zu nehmenden Rücksichten enthebt, gestattet uns heute, ihre Aufmerksamkeit auf den unheilvollen Einfluß zu lenken, welchen die Unruhen in Polen auf unsere eigenen Provinzen üben.
In der That ist es unmöglich, daß nicht Galizien von so beklagenswerthen Ereignissen berührt werde, wie die, welche sich in der unmittelbaren Nähe seiner Grenzen er- füllen. Es sind auf diese Weise der kaiserlichen Regierung ernste Verlegenheiten bereitet worden, und sie muß deshalb einen ganz besonderen Werth darauf legen, deren Wiederkehr verhütet zu sehen.
Das St. Petersburger Cabinet wird ohne Zweifel selbst die Gefahren der periodischen Zuckungen anerkennen, welche Polen in Aufregung bringen, und es wird etnsehen, daß es an der Zett ist, sich nach dem Mittel umzusehen, um ihnen dadurch ein Ziel zn setzen, daß man den Rußland unterworfenen polnischen Provinzen die Bedingungen eines dauerhaften Friedens gewährt.
Man würde in dieser Weise unheilvolle Consequenzen für ganz Europa und für die Länder vermeiden, welche noch unmittelbarer unter jenen Conflicten leiden, die, wie der, den wir eben jetzt zum Ausbruch kommen gesehen, die unvermeidliche Wirkung haben, in einer für die Cabinette beunruhigenden Art und wohl geeignet, bedauernswerthe Verwicklungen entstehen zu lassen, die öffentliche Meinung aufregen.
Sie werden, Herr Graf, diese Bemerkungen dem Herrn Vicekanzler in der freundschaftlichsten Form vorlegen und lms in Kenntniß setzen, welche Aufnahmen dieselben gefunden haben."
B II. Frankreich an Rußland. „Paris 10. April. Herr Herzog! Der Ausstand, dessen Schauplatz gegenwärtig das Königreich Polen ist, hat in Europa inmitten statt Ruhr, welche kein nah bevorstehendes Ereigniß zu gefährden schien, lebhafte Be-