Zutelligenz-Blatt der freien Stadt Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt. Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
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(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)
JK 96.
Donnerstag den 23. April
1863.
Ve-erblLÄ der GreignLife im Gebiete Nr politischem «Kd materiellen Interessen.
Frankfurt, 23. April. Die „Ostd. Post" bringt die Mittheilung von dem Er« laß eines eigenhändigen Schreibens des Kaisers der Franzosen an den Kaiser Franz Joseph in der polnischen Frage. Die Mittheilung ist richtig; daS Schreiben existirt wirklich. Nur wird zu beachten sein, daß daffelbe nicht von heute oder gestern datirt, sondern einem früheren Stadium der Verhandlungen angehört, daß die nach Petersburg gerichtete österreichische Depesche sich bereits als ein Resultat jenes Schreibens darstellt, und daß also alle Combinationen in Wegfall kommen, welche sich an die Ueberreichung eines solchen Schreibens im gegenwärtigen Augenblick knüpfen möchten. Das Schreiben dürste schon vor nahezu 14 Tagen übergeben sein, und beweist, daß man in Parts alle Hebel in Bewegung gesetzt hat, um sich die Mitwirkung Oesterreichs zu sichern. — Die „Köln-Ztg." bringt Aufschluß über die Note, welche Oesterreich gleichzeitig mit England und Frankreich nach Petersburg hat abgeben lassen. Sie setzt hinzu, daß die Mittheilung von einem Manne komme, der die Wahrheit sagen könne und sagen wolle. Die Mittheilung lautet: „Die Depesche vom 12. April, welche Graf Rechberg an den inter. k. k. Vertreter in Petersburg, Grafen G. Thun, in Betreff der polnischen Frage geschickt hat, zeichnet sich durch eine kurze, präcise Fassung aus. Nachdem es den russischen Truppen gelungen ist, die bewaffneten Banden in Polen, welche durch Zahl und Organisation die bedeutendsten waren, zu schlagen und zu zerstreuen, die militärische Ehre mithin Genugthuung erlangt hat,' ist der geeignete Zeitpunkt erschienen, die Aufmerksam» kett der Regierung auf den nachtheiligen Einfluß zu lenken, den die polnische Bewegung auch auf die österreichischen Provinzen ausübt. Galizien empfindet nothwendig die beklagensu^rthen Ereignisse, die sich in seiner unmittelbaren Nachbar« S zugetragen, mit, und es entstehen daraus Verlegenheiten für die dies-
e Regierung, deren Wiederholung sie um jeden Preis vermieden zu sehen wünschen muß. Dem Cabinet in Petersburg können die Gefahren solcher periodisch wiederkehrenden Zuckungen eben so wenig entgehen, und es wird sich daher veranlaßt finden, sich nach einem Mittel umzusehen, diesen Zuständen ein Ende zu machen, indem es die dem russischen Scepter unterworfenen polnischen Provinzen in eine Lage versetzt, welche eine dauernde Ruhe derselben verbürgt. Dadurch ließen sich unangenehme Folgen für ganz Europa, wie für die Gegenden vermeiden, welche unmittelbar durch solche Zerwürfnisse, wie diejenigen, betroffen werden, die wir so eben vor uns sehen und die eine so störende Wirkung auf die Cabinette auöüben, daß betrübende Verwickelungen daraus