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Intelligenz-Blatt der freien KM Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt. Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

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(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)

JK 86.

Samstag den 11. April

1863.

Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen Hind materiellen Interessen.

Feanksttvt, 11. April. (Zur Situation.) Es ist bekannt, daß in Rußland verschiedene Parteien bestehen, ebenso, daß dieselben nicht kompakte gleichförmige Massen bilden, sondern in sich die verschiedensten Färbungen zeigen. Die Meinungen aber, welche im- Ausland« bestehen über Ansichten und Tendenzen dieser Parteiungen und über die Beziehungen derselben zu den Persönlichkeiten, in deren Händen die Entscheidung ruht, zeugen vielfach von Nnkenntniß der russischen Verhältnisse.

Man pflegt von den beiden große» Parteien die eine als die neurusfische oder fran­zösisch-russische, die andere als die alt- oder deutsch-russische zu bezeichnen, und glaubt, daß die letztgenannte ein starres Festhalten beS Althergebrachte« bezwecke und in dem verstorbenen Kaiser noch immer den Vertreter ihrer Ansichten verehre. — Es ist jedoch falsch, ihn zum Lrâgrr der Gedanken der deutsch-russischen Partei zu machen. Im Gegentheil, unter der Herrschaft Alexanders I. hatte die germantsirende Richtung die Oberhand; ihr entschiedenster Gegner ist Nicolaus gewesen, überall bemüht, das rein Russische im Gegensatz zum Fremden zu erhalten und zu pflegen. Die Folgen hiervon find unverkennbar; die Bildung innerhalb der letzten 30 Jahre hat in Rußlaud offen­bar Rückschritte gemacht, das beweist eben so der Zustand der Bildungsanstalten wie Derjenigen, die in diesem Zeitraume ihre Bildung empfangen haben.

, Die sogenannte deutsch-russische Partei strebt zunächst dahin, die deutsche Bil­dung in Rußland wieder mehr zu culttvtren. Sie ist damit zugleich gezwungen, allem einseitig Russische« entgegenzutteten und liberale Formen zu befürworten, wie sie durch die Aenderung der Zeiten nothwendig bedingt sind. Aber freilich will sie nicht das Kind mit dem Bade äüsschütten und nicht solche russische Eigenthümlichkeiten aufheben, die noch heut zu Tage für das Gedeihen des Ganzen unentbehrlich find.

Dahin dürfte zur Zett noch die eigenthümliche Stellung des Kaisers als weltlicher und zugleich geistlicher Herrscher zu rechnen sein. Den niederen Klaffen ist ein tiefer Respekt für den Kaiser angeboren, der wesentlich auf religiöser Grundlage beruht und ohne den ste kaum zu regieren wären. Andererseits ist die kaiserliche Macht in ihrer jetzigen Vollkommenheit auch wiederum dem ganzen Volk unentbehrlich, und jede Zersplitterung und Abschwächung derselben würde zunächst zum Schaden der untersten Stände gereichen. Man denke beispielsweise an die von dem jetzigen Kaiser Alexander durchgefühüen Reformen.

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