Intelligenz-Blatt
der freien Stadt Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt. Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Franlsurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)
M 60. Donnerstag den 12. März 1863.
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Frankfurt, 12. März. Die Thronbesteigung Ismail Pascha's scheint unter der muhamedanischen Bevölkerung Egyptens als ein Ereigniß betrachtet zu werden, das der fanatischen Partei der strenggläubigen Muselmänner ein neues Feld ihrer unheilvollen Thätigkeit eröffne. Ucberall konnte man in den letzten Wochen offen auf der Straße Kairo's von Arabern aussprechen hören, daß die Zeit der Europäer und Christen vorbei sei, und daß der neue Vicekönig seinen muhamedanischen Unterthanen wieder den ihnen gebührenden Einfluß in der Verwaltung des Landes einräumen werde. Da der Christen- Haß nicht erloschen, sondern seither nur durch die Regierung im Zaum gehalten wurde, so konnte es nicht fehlen, daß diese Ideen beim ersten Anlaß in Gewaltthätigkeiten zum Ausbruch kommen würden. Am 30. Januar wurden bei Gelegenheit eines gering - fügigen Straßenauflaufes Europäer von Soldaten insultirt und mißhandelt. Es entstand eine allgemeine Schlägerei, bei der die Soldaten auf Betheiligte und Unbeteiligte ohne Unterschied mit Kolben und Bayonnet eindrangen. Mehrere Franzosen wurden tüchtig durchgeprügelt und ein Italiener nicht unerheblich verwundet. An demselben Tage spielte auch in Alexandria eine ähnliche Scene. Ein Franzose wurde von einer Patrouille ohne allen Grund verhaftet und, als er sich nicht fügen wollte, an Händen und Füßen geknebelt und auf der Erde nach der Wache geschleift. Auch hierbei wurden mehrere Europäer, worunter namentlich einige englische Matrosen, von den Soldaten mit Kolbenstößen traktirt. Der Verweser des französischen Generalconsulats, Beauval, drang sofort bei der egyptischen Regierung auf eine glänzende Genugthuung und drohte, falls diese nicht binnen 24 Stunden erfolgen würde, die Truppen der gerade im Hafen liegenden französischen Kriegsschiffe zum Schutze seiner Nationalen ausschiffen zu lassen. Der Vicekönig begab sich sofort selbst mit über 1000 Mann seiner Garde nach Alexandria und ermangelte nicht, die verlangte Genugthuung zu gewähren. Am 2. d. M. fand die peinliche Ceremonie auf dem großen Platze von Alexandria statt. Etwa zwei Bataillone Infanterie, mit Musik und Trommlern an der Spitze, marschirten vor dem französischen Generalconsulat auf und bildeten dort ein Viereck. Die drei schuldigen Soldaten wurden, mit Ketten am Halse belastet, in der Mitte ausgestellt. Nachdem sie etwa eine Stunde so am Pranger gestanden, verlas ein Ossicier mit lauter Stimme ihr Urtheil, das auf Ausstoßung aus dem Militärstande und langwierige Galeerenarbeit lautete. Es kostete Herrn v. Beauval viele Mühe, diese