Intelligenz-Blatt der fteitn Stadt Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt. Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
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(Expedition: am Geistpsörtchen, Schlachthausgaffe 21.)
JS 273. Dienstag den 18 November 1862.
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Frankfurt, 18. November. (Ludwig Nhland todt.) Aus Tübingen ist uns die schmerzlichste Kunde geworden, Deutschland hat den größten der Dichter, die ihm aus einer poetischeren Zeit geblieben waren, das engere Schwabcnland hat seinen ersten Bürger verloren: Ludwig Uh land ist am 13. d. Abends heimgegangen. Jetzt wird der Telegraph die Trauerbotschaft hinaustragen und das deutsche Volk wird mit tiefer Wehmuth den Tag betrauern, der ihm seinen Liebling hinweggerafft, die Gebildeten aller Nationen, welche Uhlands Dichtungen kennen gelernt, werden ihr Mitgefühl uns zollen. Uhland hatte bis vor wenigen Monden sich der kräftigsten Gesundheit zu erfreuen — wer, wie er, in den glücklichsten häuslichen Verhältnissen bis in sein hohes Alter der vollsten körperlichen und geistigen Rüstigkeit sich erfreuen, wer mit so ruhigem Bewußtsein auf die Früchte eines reichen Lebens zurückschauen durfte, wem die innigste Liebe und Verehrung seines Volkes so reichlich geworden, den dürfen wir preisen: er hat ein glückliches Alter verlebt, wie es nur wenigen Sterblichen beschieden ist. Eine Erkältung, welche Uhland im letzten Frühjahr bei dem Leichenbegräbniß eines Freundes sich zuzog, brachte ihm die ersten Leiden; in 42 Jahren hatte er zuvor keinen Arzt zu Rathe gezogen. Die Glückwünsche der ganzen Nation zu seinem letzten Geburtstage (26. April) hatten den Dichter schwer krank getroffen, auch ein Badeaufenthalt in Jaxt- feld im verfloffenen Sommer brachte keine Hülfe mehr; in den letzten Wochen verschlimmerte sich der Zustand fortwährend, und so hat dem Fünfundsiebenzigjährigen denn der Tod wohl längere Leiden erspart. — Wir wollen heute einer eingehenden Darstellung des schönen Lebens, das sich nun geschloffen hat, nicht vorgreifen, wir wollen die Würdigung des Dichters, welche wie Wenige so tief ins Volk gedrungen ist, deffen volks- maßige, in der Form vollendete Lieder das schönste Eigenthum der deutschen Sänger geworden sind, welcher ewig der Liebling der Jugend bleiben wird, welcher mit dem Adel und hehren Vaterlandsgefühl seiner Dichtung seinem deutschen Volke in Lied und Drama so Herrliches geboten hat, kundigerer Feder überlassen; nur wenige Züge sollen die Todesnachricht begleiten. Johann Ludwig Uhland war den 26 April 1787 zu Tübingen geboren. Sein äußerer Lebensgang war ein einfacher: Uhland hatte die Rechtswissenschaft studirt; neben ihr und neben den Angelegenheiten des öffentlichen Wohls