Intelligenz-Blatt
der freien Stadt Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
JS 263. Donnerstag den 6. November 1862.
Ueberbliek der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 6. November. Jetzt, wo wir uns am Schluffe der Londoner Ausstellung befinden, drängen sich natürlich Rückblicke aller Art auf: philosophische, national-ökonomische, finanzielle, artistische u. s. w. Wir wollen heute dem materiellsten von allen: dem gastronomischen, ein paar Worte widmen. Was ist seit dem 1. Mat innerhalb des Ausstellungsg eb Ludes gegessen und getrunken worden? jedenfalls eine interessante Frage. Sie läßt sich, wenn nicht ganz, doch zur Hälfte aus den mit Genauigkeit geführten Geschäftsbüchern des englischen Restaurants Morrish & Comp. beantworten. Sein französischer College war bekanntlich vor mehreren Wochen vom Schauplatze abgetreten, und rechnen wir zu den nachstehend verzeichneten Summen 30 Proc. dazu, dann dürfen wir der Wahrheit ziemlich nahe kommen.
Den Geschäftsbüchern der genannten Firma zufolge wurden an leichten Erfrischungen verzehrt: 1,300,000 Portionen Eis, nebst 2,200,000 Stück kleiner Kuchen, Bisquit u. dgl. Dazu waren getrunken worden: 123,000 Flaschen Jngwerbier, 101,000 do. Limonade, 31,000 do. Sodawasser, 10,500 do. Seltzerwaffer und 930 Pinten Liqueure. Die Zahl der verabreichten Tassen Thee und Kaffee läßt sich zur Stunde noch nicht genau angeben, doch sagen uns die Bücher des genannten Restaurants, daß er 5195 Pfund Thee, 8388 do. Kaffee und 1922 do. Chocolade verbraucht habe. Dazu 46,000 kleine Brödchen, die nicht unter die Kuchen eingerechnet wurden.
So viel über die leichten Erfrischungen, die größtentheils der Damenwelt zu Gute gekommen sein mögen. Unter den solideren Rationen figuriren: 240 Ctr. Käse, 140,000 kleine Fleischpasteten, 189,000 Pfd. Brod, nebst 62,500 Pfd. Brod, das zu Sandwiches verwendet worden war, 1400 Pfd. Butter und 110,000 Bisquits soliderer Gattung. Dazu wurden getrunken: von Allsopps Bier 523,000 Flaschen und 3261 Faß, zusammen etwa 1,600,000 Pints, nebst 700,000 Pints anderer Biere (Stout und Koares Ale). Rechnen wir dazu noch über 100,000 Quarts ausgeschänkter Suppe, so ist die Rubrik der Gabelfrühstücke annähernd erschöpft. Sie bilden den Uebergang von den leichten Erfrischungen zu den schweren Mahlzeiten.
Auf Rechnung der Letzteren kommen folgende Quantitäten (wir führen nur die belieb- -testen Gerichte an): 6500 Pfd. Salm, 1465 do. Aal, 92 do. Kabliau, 393 Turbot (Steinbutte), 1210 Tunger, 200 Pfd. Convettcn, 300 Bushels Austern nebst einer Menge verschiedener anderer Ftschsorten. Von schweren Fleischsorten wurden verzehrt: 630,000 Pfd., daneben 1237 Ctr. Schinken, 3128 Stück Ochsenzungen, 11,234 Hühner,