ZnteHigenz-Blatt
der freien Stadt Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt. Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
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(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
M 251. Donnerstag den 23. October 1862.
Ueberblick -er GrergnMe im Gebiets der politischen und WÄterisken IntereffeK.
Frankfurt, 23. October. Eine dahier im Verlage von I. D. Sauerländer kürzlich erschienene Schrift: „Der französische Handelsvertrag und seine Gegner." Ein Äort der Verständigung von einem Süddeutschen", unterwirft ihren seit Monaten so vielbesprochenen Gegenstand einer ebenso gründlichen wie umfassenden Prüfung, wobei die Einwendungen gegen den Vertrag in sachkundiger Weise auf ihren wahren Werth, resp. Unwerth zurückzeführt werden. Eine kurze Zusammenfassung am Schluffe liefert folgendes Ergebniß: „Der französische Handelsvertrag ist ein durchaus geeigneter Weg, mit der nothwendigen inneren Tarifreform, auf der jedenfalls der größte Nachdruck liegt, zugleich den Vortheil einer allgemeinen Verkehrserleickterung und einer Gewinnung des französischen Marktes zu verbinden. Die einzelnen Bestimmungen deS Vertrags wie des Tarifs sind im Ganzen durchaus unserem Interesse entsprechend. Gegenüber von Oesterreich würde die unaufschiebliche autonome Tarifreform eine gewisse Entfernung so gut bewirkt haben, wie der französische Vertrag; allein, um Oesterreich, als besonders begünstigten Staat, zu erhalten, konnten wir aus eine nothwendige innere Reform nicht verzichten. Die möglichen Störungen des Verkehrs mit Oesterreich lassen sich — wenn Österreich nicht selbst seinen Tarif reformirt und dadurch alle Schwierigkeit beseitigt — durch weitere Unterhandlungen mit Preußen und Frankreich gewiß noch heben; jedenfalls sind diese Störungen von geringer Bedeutung; eine Erhöhung der österreichischen Zwischenzölle ist höchst unwahrscheinlich und beiderseits so nacktheilig, daß Verständigungen darüber noch sehr leicht möglich sind. Von Seiten des Zollvereins ist es die erste Pflicht, dafür zu sorgen, daß seine Zölle herabgesetzt weiden; erst in zweiter Linie kommt die Sorge, daß andere Staaten die ihrigen nicht erhöhen. Die Einfuhr ist die Hauptsache, nicht die Ausfuhr. Es kann nicht richtig sein, seine Schutzzölle recht hoch zu lassen, nur damit ein anderer Staat seine Zölle nicht erhöhe. Aeußersten Falls wären die Störungen tm Verkehr mit Oesterreich nur von kurzer Dauer und könnten daher den wichtigsten inneren Reformen des Zollvereins und den anderweitigen Vortheilen des Vertrags nicht die Wagschale halten. Auf eine Nachgiebigkeit Preußens daher zu rechnen, ist eine große Täuschung!" Der Wunsch des patriotischen Verfassers kann nicht stark genug betont und unterstützt werden, daß endlich einmal in unserm deutschen Vaterlande die allgemeine Einsicht und jene sittliche Tugend der Unterordnung so weit gewachsen sein möchte, daß nicht mehr alte schönen Und großen Bemühungen um politische und ökonomische Verbesserungen an dem wider.