Intelligenz-Blatt
der freien Stadt Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt. Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
...................
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)
^ 243. Dienstag den 14. October 1862.
MT Abonnements auf Das Jntelligenzblatt, Amtsblatt und die Frankfurter Nachrichten werden täglich in der Expedition^angenommen______________________________________ Ueberblick 6er Geeigniffe im Webiets der politischen und mKteriân Interessen.
Frankfurt, 14. October. Nach bet Erledigung der Präjudizialfrage bezüglich des Artikels 31 des Handelsvertrags wurde in der Sitzung des bleibenden Ausschusses des deutschen Handelstags in München mit der Berathung über die Zolleinigung mit Oesterreich fortgefahren, und zwar zunächst über den Antrag von Puscher und Genossen, nach welchem für dieselben Artikel, wenn sie vom Auslande nach dem Zollverein und Oesterreich eingeführt werden — einige finanziell besonders wichtige ausgenommen — ein gemeinschaftlicher Tarif und in Folge dessen eine gemeinschaftliche Zollkaffe eingerichtet werden, dagegen die Verwaltung der Zollgebiete getrennt bleiben soll; über die Vertheilung der Zollrevenüen wurde kein Maßstab angegeben. Der Antrag wurde namentlich in Betreff der theilweisen Gemeinsamkeit der-Tarife und der entsprechenden Gemeinschaftlichkeit der Kasse bekämpft und schließlich abgelehnt. Gleiches Schicksal erfuhr der Antrag von Wertheim aus Wien. Dagegen wurde ein Antrag angenommen, der lediglich die Fortdauer des durch den Februar-Vertrag von 1853 begründeten Verhältnisses bezweckt und eine weitere Ausbildung desselben bei vollständiger Selbstständigkeit der beiden Zollgebiete befürwortet. — Nun wurde in die Discussion über anderweitige Organisation des Zollvereins eingetreten. Herr Hansemann soll dabei eine im Wesentlichen auf seine bekannten Vorschläge zurückkommende Denkschrift vorgelegt haben, es soll sich jedoch sehr bald die Unmöglichkeit herausgestellt haben, ein so detaillirtes Elaborat einer so großen Versammlung wie dem deutschen Handelstage vorzulegen, und man habe sich daher schließlich dahin geeinigt, dasselbe den Zollvereinsregierungen zur baldigen eingehenden Erwägung zu übergeben. Hiermit waren die an die Denkschrift geknüpften Resolutionen von selbst abgeworfen. Zuletzt wurde einstimmig ein Antrag angenonimen welcher die Auflösung des Zollvereins als ein großes Unglück für sämmtliche Zollver- einsstaaten bezeichnet, zur Abwendung ähnlicher Gefahren in Zukunft eine Reform der Zollvereinsverfassung für absolut nothwendig erachtet, undZsinsichtlich der Art und Weise, wle diese Reform zu Stande kommen soll, den Beschluß des vorjährigen Handelstages zu Heidelberg wiederholt. ■ ö