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Intelligenz-Blatt

der freien AM Frankfurt, zf5

verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

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(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)

JK 231. Dienstag den 30. September 1862.

Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, 30. September. (Zur Situation). Aus den Mittheilungen des „Moniteur" und noch weniger aus den drei Documenten, die er an die Oeffentlich- keit bringt, läßt sich keineswegs erkennen, ob man sich in Turin Hoffnung machen dürfe auf eine demnächstige befriedigende Lösung der römischen Frage: das Einzige, was man etwa dort für sich geltend macken kann, ist die wiederholte und gewiß auch von keinem Menschen auf der Welt bezweifelte Erklärung, daß die Besetzung der Stadt Rom durch die Franzosen nicht ewig dauern könne.

Der „Morning Herald" erblickt in dem Rundschreiben des auswärtigen Mini­sters Generals Durando eine merkwürdige Bestärkung der mannigfachen Anzeichen dafür, daß Rattazzi die Garibaldi'sche Bewegung absichtlich genährt, gezeitigt und ebenso absichtlich niedergeschlagen habe. Rattazzi—so räsonnirt der Herald — wollte dem Kaiser Napoleon die Dringlichkeit einer baldigen Räumung Roms recht veranschaulichen. Dazu mußte Garibaldi nicht eine unbedeutende Emeute, sondern eine gefährliche Schilderhebung unternehmen, die mit einer Kraftanstrengung unterdrückt werden mußte. Durando deutet an, daß Garibaldi im Grunde Recht hatte, macht aber seiner Regierung ein Verdienst daraus, daß sie es trotzdem für ihre Pflicht hielt, ihn zu Boden zu schlagen.

Der Austritt Confortt's aus dem Ministerium, heißt es in einer Turiner Corre- spondenz der Kölnischen Zeitung, ist vielleicht von einer größeren principiellen Wichtig­keit, als es auf den ersten Blick den Anschein hat. Er ist bis zu einem gewiffen Grade als ein Sieg der Militärpartei zu betrachten, die in Neapel in Repressivmaßregeln des Guten gar nicht zu viel thun zu können glaubt. Rattazzi ist zwar theoretisch sehr liberal und fühlt sich bei den allmälig üblich werdenden Preßmaßregeln u. dgl. etwas unbe­haglich, aber er läßt sich ziemlich widerstandlos forttreiben und würde vermuthlich selbst La Mormora oder Cialdini sich nöthiaenfalls als College» gefallen lassen. Man glaubt, daß Hr Sella und vielleicht auck Marquis Pepoli dem Beispiel Conforti's folgen werden. Wenn General Durando sich ebenfalls zum Rücktritt entschließen sollte, so würde dies aus anderen Gründen geschehen. ,

Ein Engländer, der in Spezzia war, schreibt aus Turm, daß das englische Miß­trauen gegen die italienischen Aerzte, welche Garibaldi behandeln,° nicht gegründet sei. Was man auch von den medicinischen Schulen in Italien halten möge, so leide es dock keinen Zweifel, daß die Italiener vortreffliche wundärztliche Operateure seien. Auch sei die Wuth fürs Aderlässen nur unter den Turiner Doctoren zu Hause und werde