Intelligenz-Blatt
der freien MM Frankfurt, ^^^.
verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage. J
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(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.)
Jg 205.________Samstag den 30. August____________1862.
Uèberbliek der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 30. August. (Note des Grafen Bernstorff an den Freiherrn v. Werther zu Wien), Die Depesche, durch welche Graf Bernstorff auf die in der Depesche vom 10. August formulirten Reformvorschläge des Grafen Rechberg antwortet, lautet:
Berlin, den 13. August 1862.
Hochwohlgeborner Freiherr I
Am 10. August hat mir nunmehr Graf Karolyi diejenigen Vorlagen mitgetheilt, welche der kaiserlich österreichische Herr Minister der auswärtigen Angelegenheiten den Vertretern der Würzburger Conferenzstaaten bereits bei der ersten gemeinsamen Besprechung über die Bundesreform am 7. Juli d. I. gemacht hatte.
Ew. rc. finden die bezüglichen Schriftstücke abschriftlich in den Anlagen, und ersuche ich Sie ergebenst, dem Herrn Grafen von Rechberg meinen Dank für die Mittheilung auszusprechen. Seitdem dieselbe erfolgte, sind, wie Ew. rc. bekannt, in der am 10. d. M. in Wien stattgehabten zweiten Conferenz die übrigen an letzterer betheiligten Regierungen den Leiden Vorschlägen der kaiserlich österreichischen Regierung beigetreten und man ist hierauf alsbald zur Ausführung der im Erlasse des Herrn Grafen v. Rechberg an den hiesigen kaiserlich österreichischen Gesandten vom 7. August angedeuteten Absicht geschritten, jene Vorschläge an den Bund zu bringen. Es ist dies geschehen, ohne daß uns die Möglichkeit gewährt worden wäre, uns vorher über dies erste Ergebniß von Reformverhandlungen der auf der Basis der identischen Noten dazu vereinigten Regierungen auszusprechen. Wir hätten aber die diesen Regierungen, insbesondere auch dem kaiserlich österreichischen Kabinette wiederholt gegebene Zusage, ihre Bundesreform-Vorschläge einer unbefangenen Prüfung und Würdigung zu unterziehen, sehr gern auch vor den darüber etwa zu eröffnenden Bundesverhandlungen erfüllt; denn wir sind der festen Ueberzeugung, daß ohne eine freie vorhergegangene Verständigung Verhandlungen am .Bunde über Bundesreform nur wenig Hoffnung auf fruchtbare Erfolge gewähren.
Es scheinen Gründe allgemein-politischer Natur vorhanden gewesen zu sein, welche den Herrn Grafen v. Rechberg bewogen haben, die Einbringung der Vorlagen in die Bundesversammlung besonders zu beschleunigen. Auch mag der Umstand dazu beigetragen haben, daß die beiden Ergebniffe der bisherig Verhandlung noch keine Vorschläge zur Bundesreform im eigentlichen Sinne des Wortes sind.