Intelligenz-Blatt
her freien Stadt Frankfurt,
verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
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(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
JK 183. Dienstag den 5. August 1862.
Abonnementspreis für's halbe Jahr 2 fl. 30 fr. Tägliche Ausgabe außer Montags. Einrückungsgebühren: 6 kr. für die ganze, 3 kr. für die gespaltene Zeile.
-'- "'" ' ■ . ■'■.......-.....- --"-"- 1 ■' ■ ■ " '■■■"= Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellenWnteresten.
Frankfurt, 5. August. Man schreibt aus London: In der neuesten Nummer des „Economist" findet sich die merkwürdige Mittheilung, daß die englische Erndte als eine unrettbar verlorene zu betrachten sei; das beste Wetter könne den bereits tangerichteten Schaden nicht wieder gut machen. Wie diese grundfalsche Angabe sich in die Spalten dieses sonst sorgfältig redt- girten Wochenblattes verirrt hat, ist ein Räthsel. Da der Economist sich aber auf dem Kontinente eines großen, wohlverdienten Ansehens erfreut und eine Mittheilung dieser Art zu irrigen Speculationen Veranlassung geben könnte, so ist es wichtig, diese total falschen Angaben rasch zu berichtigen und, gestützt auf verläßliche Mittheilungen, sie dahin zu verbessern, daß der Stand der Saaten nichts zn wünschen übrig läßt, und daß ein Fortbestand des herrlichen Wetters, wie wir es seit Mitte der vorigen Woche haben, nicht nur einen erträglichen, sondern einen sehr ergießen Ernte-Ausfall in Aussicht stellen würde. Vom Wetter, resp, von der Erndte wird es zunächst abhangen, ob d e starken Goldzuflnsse fortfahren, ob der Geldmarkt flott bleiben, ob die Goldmassen in der Bank noch weiter zisnehmen werden oder nicht. Schon haben letztere eine Höhe erreicht, wie seit zwei Jahren nicht der Fall gewesen war, und volle elf Jahre sind es, seit der Bankzinsfuß, wie gegenwärtig, auf 2 W- erniedrigt werden konnte. Wird dieser Zustand, welcher — nebenbei bemerkt — der beste Beweis für die Stille der Geschäfte ist, von Dauer sein oder nicht? Das hängt zunächst von der Ernte ab.. Fasst diese schlecht aus, so daß Getreide in größeren Massen vom Auslande eingeführt werden muß, dann werden einige Millionen zur Bezahlung desselben aus dem Lande fließen. Wo nicht, und wenn nicht neue auswärtige Anleihen von großen Beträgen hier ausgenommen werden, ist vorerst nicht abzusehen, was der steigenden Capitals-Anhäufung auf hiesigem Platze Einhalt thun könnte. Sie stieg bisher wie schon vor Wochen bemerkt wurde, weil das Geld, welches sonst für Baumwoll-Einkäufe nach Amerika wanderte, verfügbar bleibt, weil die englischen Capitalisten sich ihrer amerikanischen Fonds entledigten, die alle nach New-Iork wanderten und mit Geld von drüben bezahlt wurden, und schließlich in Folge der allgemeinen Gcschäftsstisse. Daß letztere um diese Jahreszeit plötzlich verschwinden sollte, ist nicht anzunehmen, es müßte benn.-r