Intelligenz-Blatt
der freien Siadl Fmnkfuri» verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
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(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
JS 127. Donnerstag den 29. Mai 1862.
Ueberblick der Ereignisse Lm Gebiete der politischen un- materiellen Interessen.
Frankfurt, 29. Mai. (Meltau sste llung von 18 6 2). Auf die2800 Aussteller des Zollvereins zählt Frankfurt a. M. einige dreißig. Vor allem erwähnenswert sind die Chemikalien der Firmen Bronner, Zimmer und der Frankfurter Actien- Gesellschaft für landwirthschaftlich-chemische Fabrikate, unter denen künstlicher Guano und concentrirter Dünger für Weinbau sich besonders auszeichnen; ferner sind zu nennen: Cigarren von Eckert u. Comp., Chocolade von Gebrüder de Georgi, Seifen und Pommaden der Firmen Rieger und Monson. Alle diese Produkte bieten indeß dem Auge nur wenig dar; die Jury allein vermag über ihren Werth zu entscheiden. Für den Beschauer sind in diesem Sinne die Knewitz'schen Waagen zur chemischen Analyse, deren Construction und Vollendung Bewunderung verdienen, ein anziehenderes Object; noch mehr die prachtvollen von Hamacher eingesandten Photographien Kaulbach'scher Gemälde. Die Teppiche von I. I. Vaconius zeichnen sich durch guten Geschmack aus. Kenner sprechen mit großem Lob von den Lederfabrikaten der Herren Hausmann, Landauer- Donner, I. A. Roth und C. W. Roth, während die Verehrer der Eleganz den schönen Buchbinderarbeiten von Reges, sowie den Necessaires, Etuis und Albums der Firma Gouda, Scheidel «. Comp. ihren Beifall zollen. Einen hervorragenden Platz in der Frankfurter Industrie nehmen Papeterie und Typographie ein, deren Ruf durch die Firmen Flinsch, Knatz, Köbig und Kruthoffer würdig vertreten ist. Diese vier Aussteller dürfen sich wohl mit Sicherheit auf ähnliche ehrenvolle Anerkennung Hoffnung machen, wie sie dieselbe schon bei der Münchener Ausstellung von 1854 und der Pariser 1855 davon getragen haben. Die schönen Möbel aus Hirschhorn und Gemshorn von Friedr. Böhler erregen die größte Aufmerksamkeit. Nicht minder die Bijouterien von Friedmann und Moritz Goldschmidt Sohn. Herr Andrä hat einen seiner Mozartflügel ausgestellt, der namentlich durch seine Billigkeit Aufsehen macht. Der Preis desselben ist mit nur 840 fl. notirt. Durchschreitet man die Gallerien von Baden, Bayern und einigen andern Zollvereinsstaaten, so überkommt Einen unwillkürlich der Gedanke, daß man sich in den Reihen von Kaufläden befindet, die sich um die Kursäle gewisser deutscher Bäder gruppiren. Die Schwarzwälder Uhren, die Kreuznacher Bijouterien, die Tabakspfeifen und Vogelkäfige, die Nürnberger Spielwaaren und Aehnliches bieten wahrlich keine sonderlich auffälligen Momente der Fortschritte menschlicher Schaffenskraft dar. Alle Länder haben mehr oder weniger der Ausstellungswuth gefröhnt und England hat so gut seine Trophäe von Pickles wie Holland seine Pyramide von Kerzen. England aber stellt jenen Reprä-