Intelligenz-Blatt
der freien Stadt Frankfurt. verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
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(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
M 123. Samstag den 24. Mai 1862.
Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 24. Mai. (Londoner Ausstellung.) Nicht geringes Aufsehen erregen die japanischen Artikel, namentlich die lackirten Waaren, die zum Theil so außerordentlich schön und vortrefflich gearbeitet sind, daß man die Angabe holländischer Schriftsteller, wonach die schönsten Gegenstände nicht aus Japan ausgeführt wer- den dürften, für eine Uebertreibung halten muß. Außer den lackirten Waaren sind einige hübsche Stahlklingen aus Japan in der Sammlung, darunter das kurze zweischneidige Schwert, das einem der Meuchelmörder, welche die britische Legation in Jeddo im vorigen Jahrs überfielen, abgenommen wurde. Merkwürdig ist auch die japanische Papierverarbeitung; man findet da wasserdichte Röcke, Sonnenschirme und Taschentücher aus Papier, Die Japanesen haben, wie die „Times" bemerkt, hierin längst jenen Grad der Vollkommenheit erreicht, welchen Mr. Gladstone bet der Abschaffun der Papiersteuer als ein innigst zu wünschendes Ziel vor Augen hielt — Ueber die zur Ausstellung gelangten indfischen Gemälde äußert sich Max Schlesinger in der „Köln. Ztg." folgendermaßen: „Es sind sorgfälig gezeichnete und mit unsäglichem Fleiße gemalte Minia-' turen von Vögeln, Tempeln und Menschen mit landschaftlichem Hintergründe. Jedes Federchen, jedes Palmenblatt, jeder Fächerknopf ist mit ängstlicher Treue kopirt, wie das bei allen orientalischen Mintatur-Mglereien, zumal bei den persischen, der Fall ist. Natur- eu sind auch die Farben, doch Alles, was auf ein phantastisches Sichgehenlassen des ers hindeuten könnte, ist sorgfältig vermieden. Denn ein tüchtiger Künstler ist dem Orientalen nur derjenige, welcher getreu die Natur zu kopiren versteht. Erfinden und aus sich herausgestalten, erlauben sie ihren Dichtern wohl, ihren Malern nimmermehr. Handwerksmäßigen Fleiß können. wir bei jedem der indischen Ausstellungs-Gegenstände bewundern. ’ Wohlgemerkt, bei denen, die von Eingebornen herrühren, denn Vieles von dem Au.Uestellten verräth europäische Fabrik. Die Schnitzereien von Sandelholz zum Beispiel sind durchgängig Handarbeit der Eingebornen, Und die Sauberkeit des Schnitzwerks ist tadellos. Die Schnitzmanier ist dieselbe geblieben, wie sie vor hundert Jahren bestand, nur in den Gegenständen und Formen bekundet sich der europäische Einfluß. Wie wäre es sonst möglich, daß ein indischer Holzschnitzer ein. Papiermesser, oder eine Papeterie, oder gar eine Handschuh-Kassette zusammenstellte. Solche Luxus-Artikel braucht und kennt er ja gar nicht in seinem eigenen Haushalt, er schnitzt sie eben in seiner alten Manier nach modernen englischen Mustern für die Märkte von Bombay, Kalkutta und London. Wer den Geruch von Sandelholz liebt, der kann