ZnteHiaenz-Blatt
der freien Stadt Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt. Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
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(Expedition: am Geistpsörtchen, Schlachthausgasse 21.)
JK 105. Samstag den 3. Mai 1862.
S.!LJ.’....„!LL2 ' ■"":""".' "'*"'*'■* "•„•.!"•.1 " . "^'7 "■— ""—-—■■■—■—""L'-m-lSSM Ueberbliek der Ereignisse im Gebiete -er politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 3. Mat. (Der Handelsvertrag mit Frankreich.) Der Handelsvertrag mit Frankret ch findet im Allgemeinen eine günstige Beurtheilung Seitens der deutschen Presse. Von namhaften Blättern treten nur ein Paar principiell gegen denselben auf. Wir haben in den Einwendungen gegen den Abschluß dieses Vertrages sehr wenig Handelspolitisches, noch weniger aber Stichhaltige- gefunden. ES dreht sich dabei um politische Betrachtungen, die im Grunde nur Umschreibungen der bekannten Themata über GothaiSmuS, preußische Herrschsucht, Franzosenfurcht u. dgl. sind. Für daS Tendenziöse dieser Angriff« wollen wir nur Ein Beispiel anführen: die neuesten Behaup ungen der betreffenden Blätter, daß der Vertrag ein Product de- Aergers über die identischen Noten und eine Verletzung deS Zollverein-verträge- mit Oesterreich sei. WaS die erstere Auffassung betrifft, so haben die Verhandlungen über den Vertrag, und nicht etwa im Verborgenen, seit Jahr und Tag, also längst vor dem Erscheinen der identischen Noten, stattgefunden; die Zollverein-regierungen find von Berlin au- in Kenntniß über deren Gang erhalten und von ihnen die «rforderlichen Einwilligungen eingeholt gewesen. Der österreichisch-zollveretnliche Vertrag setzt fest, daß Aenderungen in den bestehenden Tarifen rc. drei Monate „vor der Ausführung" dem anderen Kontrahenten mitgetheilt werden sollen: nun aber würde der französische Vertrag frühestens im Jahre 1863 zur Ausführung kommen; der Termin der drei Monate kommt also noch lange nicht ins Gedränge. Dergleichen nichtige und gesuchte Einwürfe sind ein Zeichen, daß eS an triftigen fehlt (auch eine Münchener Lorrespondenz des Nürnberger Korrespondenten sieht keine volkSwtrthschaftlichen Nachtheile, sontern nur politische Bedenken, und muß in ersterer Beziehung Vortheile zugeben). In der That wird der Vertrag allen billigen Anforderungen gerecht, welche im Interesse der zollvereinltchen Finanzen und der verschiedenen Zweige der Industrie und Rohproductton Deutschland- gestellt werden können. Und hat er auch, was von gegnerischer Seite im Tone de- VorwurfS in den Vordergrund gestellt wird, seine politische Sette (wenn auch keine politische Absicht), so gereicht ihm dieS in unsern Augen ketne-weg- zum Tadel, sondern es liegt darin ein besondere- Verdienst. Die deutschen Regierungen und Kammern werden sich schließlich den Forderungen der materiellen Wohlfahrt. ihrer Länder nicht verschließen, und dem Vertrage deßhalb bettretrn. Die süddeutschen Regierungen namentlich werden daneben das Bedenken wohl erwägen, daß sie — im Falle sie sich absondern wollten — in eine viel