Intelligenz-Blatt
der freien Stadt Frankfurt, ^^ verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
M 6b Donnerstag den 13. März 1862.
Ueberblick -er Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, IS. März. (Ratazzi'S Programm.) Cordova, welcher nach der.Opintone" seine Entlassung eingereicht haben sollte, hatte im italienischen Parlament seinen Sitz auf der Ministerbank eingenommen. Ratazzt hielt folgende Ansprache an daS Parlament: Unsere vergangene Politik bürgt für die zukünftige Führung der Angelegenheiten dieser Lande-. Ich will indeß weder die Schwierigkeiten noch die Verantwortlichkeit der Lage verbergen. Unsere Aufgabe ist, die Provinzen zu or- ganifiren und zu vereinigen, welche bi- jetzt getheilt waren, und diejenigen italienischen Provinzen zu befreien, welche noch nicht einen integrirenden Theil de- Königreich- bilden. Ja den au-wärtigen Beziehungen werden wir mit den anderen Nationen auf freundschaftlichem Fuße zu bleiben suchen. Eine isoltrte Politik ist unmöglich; wir werden daher alle Kräfte aufbieten und uns an allen Ereignissen bethetltgen, welche einen Einfluß auf die Geschicke Italien- au-üben können. In Bezug auf Frankreich werden wir nie vergessen, daß wir ihm zum großen Theile unsere Wiederauferstehung verdanken. Wir werden auch nicht vergessen, daß England stet- unsere Freundin war. In unseren Beziehungen mit den übrigen Mächten werden wir stet- unsere Würde und Unabhängigkeit zu wahren suchen. Wollen wir die Freundschaft der anderen Nationen, so müssen wir sie durch die Weisheit unseres Verhaltens erwerben. Wir werden ihnen zeigen, daß wir nicht gewillt sind, den Frieden der Welt wegen der römischen Frage zu compromittiren. Wir werden nur moralische und diplomatische Mittel zur Lösung dieser Frage anwenden, welche seit zwei Jahren so bedeutende Fortschritte, besonder- in Frankreich, gemacht hat. In Bezug auf die inneren Angelegen- Hritett bittet der Minister um den aufrichtigen Beistand aller Kapacitäten des Lande-. Er verspricht dann die Ausführung de- Gesches über bie Nationalbewaffnung, verbunden mit der größten Oeconomie in allen Zweigen der Verwaltung, ausgenommen die Rüstungen. Er endigt seine Rede, indem er zur Versöhnung der Partheirn auffordert. Lanza ergreift darauf da- Wort und verlangt Aufklärung über die ministerielle Krist-, welche außerhalb der Einwirkung des Parlament- stattgefunden habe. Ricasolt antwortete; Trotz der günstigen Abstimmungen in den Kammern existirten gewisse Spaltungen. Dat Ministerium habe sich nicht sicher gefühlt, da- Vertraue» der Kammern und bie auf diesem Vertrauen beruhende Autorität zu besitzen. Um daher eine equivoke Situation zu vermeiden, habe da- Ministerium seine Entlassung gegeben, und trotz bei