Einzelbild herunterladen
 

Intelligenz-Blatt der freien SIM Frankfurt. /gj verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage. »nwMiimwiwwm — L

(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)

M 25. Donnerstag den 30. Januar_______1862.

Ueberblick der Ereignisse im Eebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, 30. Januar. In der Denkschrift des Grafen R echber'g' über den Beust'schen Entwurf ist unter den dagegen erhobenen Bedenken an die Spitze ge­stellt, daß der sächsische Plan die völkerrechtlichen Beziehungen deS deutschen Bunde- zum Auslande alteriren werde. Der österreichische Minister bemerkt nun zwar, die deutschen Regierungen würden niemals dem Auslande ein Recht der Einsprache gegen eine unter ihnen vereinbarte Aenderung der Bundesverträge zugestehen. Es wird dann aber doch großes Gewicht darauf gelegt, daß, wenn der deutsche Bund seinen auf den Verträgen beruhenden Organismus ändere, die fremden Mächte sich am Ende weigern könnten, ihn fernerhin als eine politische Einheit anzurrkennen. Dieser Einwand mußte in einem deutschen Aktenstücke einigermaßen überraschen. Man war wohl schon daran gewöhnt, daß in der schleswig'schen Sache von auswärtigen Gesandten eine europäische Conferenz in Aussicht gestellt wurde, welche die Angelegenheit ohne Deutschland regeln werde. In der letzteren Zett wurde sogar mehr als einmal die Bemerkung gehört, ja, in Corrrspondenzen auswärtiger Blätter wenigstens andeutungsweise auch gelesen, daß preußische Milttârconventionen oder Preußens Intervention in Kurhessen die Auf­merksamkeit der Garanten der wiener Verträge fesseln müsse. Dem Grafen Rechberg war aber die Aufnahme solcher oder doch analoger Gesichtspunkte in eine an einen deutschen Minister gerichtete Depesche vorbehalten. Wenn Deutschland einmüthig seine Verfassung ändert, wird es die Anerkennung deS Auslandes abwarten können. Der Entwurf des Herrn v. Beust wird allerdings diplomatische oder andere Conflicte aus bekannten Gründen niemals entstehen lassen. — Di« römische Frage ist in Paris »euerdingS vielfach erörtert worden. Herr Thouvenel soll auch in einer Depesche jüngeren Da­tums daS bedeutsame Wort habe fallen lassen, die Besetzung Roms durch franzöftsche Truppen könne nicht auf unbestimmte Zeit fortdauern. Daß eine solche Depesche vor etwas über vierzehn Tagen erlassen wurde, galt auch in der politischen Welt für beglaubigt. Man wird dieselbe aber in so fern nicht überschätzen dürfen, als die Räumung Roms schon in der nächsten Zeit daraus gefolgert werden sollte. Frankreich nimmt in Bezug auf Rom ein stillschweigendes Mandat des katholischen Europa an. Dadurch sucht es das Prinzip der Nicht-Intervention mit der Occupation in Einklang zu bringen. Von seinen Vertretern wird, wie man hört, geltend gemacht, die französischen Truppen könn­ten sich nicht ohne Weiteres zurückziehen. Oesterreich oder Spanien würde dann das Recht, den Papst zu schützen, so gut wie Frankreich eS bisher gethan, beanspruchen