Intelligenz-Matt
der freien Stadt Frankfurt, /^^.
verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, â^DW^M^ und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
M 23. Dienstag den 28. Januar________1862.
Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 28. Januar. (Da- französische Finanz- und Steuerwesen.) Der Finanzbericht deS Herrn Fould, sagtba8 ^Frankfurter Journal/ wird wohl für die Franzosen noch während einiger Zeit das wichtigste innere Ereigniß bleiben. Dieser Bericht verhält sich zu der früheren finanziellen Denkschrift Foulds, in Folge davon er Finanzmtnister geworden ist, wie die Praxis zur Theorie, und nach einer Spannung, die mehrere Wochen gedauert hat, können die Franzosen nunmehr FouldS ganzen Reformplan beurtheilen. Schon früher war von der Avymositât die Rede, welche sich unter den andern Ministern gegen Fould kundgegeben hat; der Setne-Präfect, Baron Haußmann, hat sich u. A. dahin geäußert, die Art, wie Fould das Problem lösen wolle, enthalte nichts Neues; es handle sich nicht darum, die Ausgaben zu vermindern und die Einnahmen zu vermehren, sondern nach wie vor viel auszugeben und deßhalb doch keine höheren Steuern zu erheben. Diese Präliminar' Kritik eines hohen Beamten war ebenso ungerecht, wie eS jetzt die definitive des Publikums zu sein scheint. Um zunächst FouldS Finanzproject richtig zu beurtheilen, darf man nicht außer Acht laffen, was er gethan hot, um ein besseres zu Stande zu bringen. Fould hat Monate lang all seinen Etnflvß aufgeboten, um eine wesentliche Herabsetzung der Ausgaben zu erreichen. Frankreich hat unerhörter Weise ein hohes Friedens- und ein hohes Kriegs-Budget ; es hat die Last, für die Ausführung der großartigsten Arbeiten zu sorgen, die eigentlich nur zu einer vollständig friedlichen Situation Possen würde. Es ist bekannt, doß man dem Kaiser die Unmöglichkeit, diese beiden Budgets gleichzeitig durchzuführen, dargestellt, daß er aber in Bezug auf die Herabsetzung des EffectivbestandeS der Armee geantwortet hat, eS existtrten jetzt schon zu viel Offiziere für die Cadres, diese gewöhnten sich deßhalb in den Garnisonen an Müßiggang, und dann bedürften die Offiziere auch deS Avancements, waS bet einer erheblichen Reduction noch viel langsamer als biS jetzt, zu Stand« kommen würde. So, wie das Reformproject des Herrn Fould jetzt iß, kann es im Ganzen jedem Ftnanzmann Ehre machen. Er hat unbedingt daS Verdienst, einer heillosen Verwirrung in der französischen Finanzwirthschaft ein Ende gemacht zu haben, indem er daS außerordentliche Budget scharf von dem ordentlichen schied, und die Ausgaben für daS erstere von einem vorherigen Votum der Kammer abhängig machte, und der rein willkürlichen Verfügung deS Souveräns entzog. Von diesem Grundübel abgesehen, hatte Fould eS aber auch noch mit einem momentanen Befielt von unerhörter Höhe zu thun. Er schlägt el selbst auf eine Milliarde und acht