Zntelligenz-Blatt
der freien MM Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, D und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition: am Geistpsörtchen, Schlachthausgasse 21.)
Jg 298. Dienstag den 17. December 1861.
Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 17. December. (Zur Situation.) Leute, die mit Maulwurfsallgen den Politiker spielen, find der Meinung, daß die großen Weltbegebenheiten nicht anders beschaffen sein könnten, als die Vorgänge in ihrer unmittelbaren Umgebung. Wird in dieser viel von-Frieden und Fortschritt geredet, so halten sie sich für fest überzeugt, daß die Fürsten und Völker des Erdkreises im seligen Genuß die Friedenspfeife rauchen und dabei gemüthlich mit Siebenmeilenstiefeln ihre Pfade wandeln. Es ist dies ein schlimmer Wahn. Wer noch einen Funken von sittlicher Kraft in sich trägt, der muß die Pflicht empfinden, zur Zerstörung desselben beizutragen, damit die Wahrheit, wie hart und herbe fle auch an uns herantrete, Plaß gewinne; denn sie allein ist es, die unsern Bestrebungen Ernst und Ausdauer verleiht, sie allein ist es, die uns frei macht. —* Wenn wir unsern Blick aus unserer nächsten Umgebung auf den großen Weltmarkt der Begebenheiten richten; so werden wir schwerlich in die Jubellieder der Harmlosen mit einsttmmen. Denn wir sehen sich eine Thatsache vollziehen, die unbedingt zur Klage auffordert; wir sehen, wie die Schöpfung eines großen Staates in sich zerfällt, und die Nachkommen gewaltiger und genialer Politiker unfähig sind, das schöne Erbe der Väter zu behaupten. Der Zerfall der nordamerikanischen Union liefert uns ein Bild, das nicht trauriger sein kann. So lange sah man in derselben den Hort der bürgerlichen Freiheit, ein Muster für staatliche Einrichtungen. An der Jugendkraft des Staatslibens in der neuen Welt, so hoffte man, würde sich das altersschwache Europa verjüngen; wo aber ist diese Hoffnung, wo jenes Muster und jener Hort geblieben? Wir wollen nicht die Ursachen des Untergangs der großen Staatsschöpfung untersuchen und sie aufzählen; denn wir haben genug zu thun, wenn wir an die Folgen derselben denken und uns vor ihnen zu schützen suchen, So viel ist gewiß, daß in der Schlacht bet Bull’s Run nicht nur das Heer der Unionisten geschlagen und zersprengt worden, sondern daß auch der Liberalismus in Europa eine schwere Wunde empfangen. Sind wir davon auch noch nicht durch Wahrnehmungen in unserer unmittelbaren Nähe und an uns selbst überzeugt, so wird Lie Zett doch nicht lange auf sich warten lassen, welche uns darüber einen sehr bestimmten Beweis liefert. — Wir sehen, wie schon die Folgen jener Schlacht in England sich kund gegeben. Nicht nur ist dort die Reaction nach der Niederlage des Unionsheeres ermuthtgter hervorgetreten: England steht jetzt sogar an der Schwelle eines Krieges, der nicht ohne eine tiefe Erschütterung aller seiner Verhältnisse bleiben kann. Deutschland hat zu nahe Beziehungen zu England, als daß es von großen Erschütterungen in diesem nicht berührt werden