Einzelbild herunterladen
 

Zntelligenz-Blatt

der freien Ma-t Frankfurt.

verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

iiiwmimMiwiHi»—-

(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)

^L 292. Dienstag den 10. December 1861.

Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen UN- materiellen Interessen.

Frankftrrt, 10. December. Die Verhandlungen über den Handelsvertrag zwischen Preußen und Frankreich sind in der letzteren Zeit in der Presse heftig angefeindet worden. In einem bekannten Lager schrie man sogar, dieser Vertrag sei gegen daS Interesse des Zollvereins, und beraub« densrlben der Möglichkeit, eine et­waige Zollannäherung mit Oesterreich zu vermitteln. Andere haben mit triumphirender Mene verkündet, die Verhandlungen seien bereits abgebrochen, und gewisse Interessen auS den Rheinprovinzen hätten in den entscheidenden Kreisen zu Berlin ihr Ebo in einem kurzen Veto gefunden. Es ist nicht zu leugnen, daß Eigennutz und Unkennt- ntß in diesem Falle eine heilige Allianz gegen den Fortschritt und das wahre StaatS- interesse deS Zollvereins und Deutschlands gebildet haben. Aber die Geschichte lehrt, daß Koalitionen nicht immer unüberwindlich sind, und die Zukunft dürfte bald dieser Lehre «inen neuen Beweis ermöglichen. Die Einwände, die man aus dem schutzzöllnerischen Lager gegen di« Erleichterung deS Handels zwischen den reicheren Einzelstaaten von Deutschland und den meerbeherrschenden Gefilden von Frankreich und England gebracht hat, find übrigens so seichter und leichtfertiger Natur, daß man wahrhaft erstaunt, wie man dieselben einem Volke von Denkern nur vorzureden die Kühnheit haben konnte. Der französische Handelsvertrag mit dem Zollverein schließt keineswegs eine etwa beliebte Zollannäherung dieses letzteren an Oesterreich auS. Die Product«, die Oesterreich zu bieten vermag, werden sich im Zollverein um so besser verkaufen, je reicher und handeltreibender der­selbe wird. DteJndustriegegenständevon Oesterreich werden aber die Concurenz der französi­schen gleichartigen Gegenstände gewiß ebenso leicht wie Rheinpreußen und Schlesien ertragen, da bekanntlich der Handel und das Leben in Mähren und in Böhmen viel einfacher und wohlfeiler alS in der Oder- und der Rheingegend sind. Wenn die österreichische In­dustrie durch Schutz groß werden sollte, so würde sie bereits in den Himmel reicken, denn nirgends hat das Prohibitivsystem so lange als im Kaiserreich geherrscht. Was aber der österreichischen Industrie vor allem Noth thut, daS sind Wege, Canäle und eine volkswirthschaftliche Heranbildung. Auch sehen wir nicht ein, warum die reifere ZollveretnS-Jndustrte, falls sie dazu Lust trägt, nicht zu gleicher Zeit mit Frankreich und mit Oesterreich Handelsverbindungen anknüpfen könnte. Der Einwand, einer durâr den französischen Vertrag verhinderten näheren Handelsbeziehung zu Oesterreich ist also unrichtig und noch unrichtiger ist eS, daß in den maßgebenden Kreisen zu Berlin Abnergung gegen den Handelsvertrag herrschen soll. Daß man in Berlin besonnen vorangeht, daß man