Intelligenz-Blatt der freien Stadt Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage,
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(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
Jtë 286. Dienstag den 3 December
1861
Ueberblick der Ereignisse im Erbiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 3. December. Die offiziöse „Karlsr. Ztg." bringt folgende» Artikel: „Der Artikel, in welchem wir vor einigen Tagen unsere Vermuthungen über die Gründe ausgesprochen haben, welche die großh. Regierung nach dem Bekanntwerden der Umschläge des Freiherrn v. Beust unseres Ermessens bewegen mußten, mit einer etge- nrn Anregung der Bundesreformfrage zurückzuhalten, wenn die Absicht dazu irgend Vorgelegen haben sollte, ist von einzelnen Organen der Presse irrihümlich ausgelegt worden. 33 ist Pflicht, einem Mißverständntß entgegenzutreten, welches durch die Thatsachen in keiner Weise gerechtfertigt ist. Uns schien die Erklärung, welche wir für die umsichtige und besonnene Haltung der großh. Regierung in dieser wichtigen Angelegenheit gegeben haben, einfach und erschöpfend. Wir befürchteten nicht, daß sie in einen Zusammenhang gebracht werden würde, welcher zu einem Angriff auf die königl. preußische Regierung benützt werden konnte. Um so größere Befriedigung gewährt es uns, die Vermuthungen, in welchen namentlich der Verfasser des Artikels der „Rationalzettung" vom 26. vorigen Monats sich ergeht, als vollkommen unbegründet bezeichnen zu können. Ueber- zeugt, wie wir sind, daß das preußische Cabinet in vollem Umfange die Berechtigung der Nation nach einer wirksamen Vertretung ihrer höchsten Interessen anerkennt und im Wesentlichen in Ansehung der Grundlagen, auf welchen eine Bundesreform sich vollziehen muß, mit unserer Regierung übereinstimmt, so glauben wir auch für letztere künftig die Freiheit in Anspruch nehmen zu können, ihre eigenen Schritte der jedesmaligen Lage der Verhältnisse anpassen zu dürfen, ohne daraus Schlüsse auf obwaltende Meinungsverschiedenheiten hervorgehen zu sehen. In dem Maße, als die Aufgabe schwierig ist, wird unsere Regierung in der Lage sein, Momenten Rechnung zu tragen, die sich sehr oft der allgemeinen Kenntniß entziehen werden. Allein die Hingebung, welche sie für Erreichung der großen Ziele des nationalen Strebens erfüllt, berechtigt sie in solchen Augenblicken wohl zu dem Vertrauen, daß sie ihrerseits nie schwankt und nie nachläßt in dem ernsten Bemühen, denselben näher zu kommen. An, der nöthigen Initiative wird es unserer Regierung — dessen sind wir gewiß — nicht fehlen, wenn der nationalen Sache, welche sie stets offen und rückhaltlos vertreten wird, und der Geltendmachung des gerechten und guten Anspruchs deö deutschen Volks auf eine leistungsfähige politische Organisation damit gedient ist. Daß sie zur Zeit noch keinen Schritt auf dem Wege gethan hat, auf welchem er von ihr, nach den zahlreichen Aeußerungen der Presse, erwartet wurde, hat, wir wiederholen es ausdrücklich, seinen Grund nicht in den Bedenken, von welchen der Correspondent der „Kölnischen Zeitung" und der Verfasser des Artikels der „National-Zeitung" wissen will.