Intelligenz-Blatt
der freien Stadt Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
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(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
M 284. Samstag dm 30 November 1861.
Ueberblitk Her WreLgnèffe im Gebiete der politischen nnd Materiellen Interessen.
Frankfurt, 30. November. (Z weite General-Versammlung des volkswirthschaftlichen Vereins für Südwest-Deutschland). In dieser kürzlich zu Nürnberg abgehaltenen Versammlung, wurde zuvörderst mitgetheilt, daß der Verein jetzt 550 Mitglieder zähle und sein rasches Gedeihen vor Allem den Bemühungen des Herrn Faucher zuzuschreiben sei. Erster Gegenstand der Berathung war die Eisenbahn-Frackt-Tariffrage, welche zu folgendem Beschluß führte: „Der volkswirth- schafiliche Verein für Südwest-Deutschland erachtet es im Interesse der Weiterentwicklung der deutschen Industrie für nothwendig, daß auf möglichst billige Eisenbahnfrachten, namentlich so weit thunlich durch Einführung des Einpfennigta-ifs für Kohlen und andere Rohstoff«, hingewirkt werde; daß man durch Zulassung von Concurrenzbahnen und durch Herstellung eines deutschen Canalsystems, durch Beseitigung der Wasserzölle, sowie durch leichte Verbindung zwischen Eisenbahnen und Wasserstraßen am geeignetsten den Zweck erreicht." Hinsichtlich des 2. Gegenstandes der Berathung wegen Aufhebung der Utbergangssteuer auf Wein, Taback, Bier und Branntwein einigte man sich über folgendes Resultat: „In Anbetracht, daß im Schlußprotocoll zu den Verhandlungen der zehnten Generalconferenz in Zvllvereinsangelegenheiten vom Jahr 1853/54, die Abgaben- sâße in einzelnen Staaten als den vertragsmäßigen Bestimmungen nicht bezeichnet werden, zudem aber die Nothwendigkeit eines gänzlich ungehemmten, freien Verkehrs im Innern Deutschlands mit jedem Tage dringlicher erscheint, wird beantragt: „Der volkswicthschaflltche Verein für Südwest-Deutschland wolle mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln dahin wirken, daß die Ausgleichungssteuer auf Wein, Branntwein, Bier und Taback beim Uebergang aus einem Theil der Zollvereinsstaaten in den andern aufgehoben werde, so daß dem freien Verkehr kein Hinderniß mehr entgegengesetzt, in Beziehung auf das Bier, mit Rücksicht auf die Schwierigkeiten wegen des Malzaufschlags, in ähnlichem Sinne die nöthigen Schritte gethan werden, und daß an die Stelle dieser Steuer keine neue lästigere Steuer erhoben werde." In der Gewerbe- und Niederlaffungsfrage war das Resultat der sehr lebhaft geführten Discussion: daß die Einführung der vollen Gewerbefreiheit ohne Entschädigung des Realrechts als wünschenswerth erkannt und für Bayern empfohlen werde. Hinsichtlich der Fretzüqigkeitsfrage erklärte sich die Versammlung für Freizügigkeit, auf Grund des Gothaer Vertrags, und eines Heimath- scheines, welcher die Wiederaufnahme des etwa Verarmten in seiner Heimath zustchert, mit der Bestimmung, daß dem Betreffenden nach einer gewissen Anzahl von Jahren Ma 5) da- Bürgerrecht in seinem Wohnorte gewährt werde.