ZnteMgenz-Blatt
der freien AM Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
ff â 268. Dienstag den 12. November 1861.
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UeberbUck der Ereignisse im Gebiete der politischen un- materiellen Interessen.
Frankfurt, 12. November. Daß uns in Deutschland eben wieder eine Periode arger Reaction bevorstehe. das glaubt man zwar vielfach, wir aber-sind dieser Meinung nickt. Der Fortschritt, der sich in Deutschland mit geistigen Waffen Bahn bricht, stößt naturgemäß hier und da auf Widerstand; daß sich ihm die feindlichen Elemente, wo er auf sie trifft, entgegenstellen und ihn aufzuhalten suchen, ist ganz natürlich und es darf nicht überraschen, wenn in diesem Widerstände die Reaction dem Liberalismus einzelne Schlappen bribringt. Im großen Ganzen ändert das den Lauf der Dinge nickt. Wir vergessen nur immer zu leicht, daß die Wiedergeburt DeutsAands ein Werk für lange Zeit ist, das wir nicht in einem Jahre, und nicht auf einmal vollenden. Im alten Rom brauchte die Demokratie mehrere Jahrhunderte, um der Aristokratie die Herrschaft zu entwinden.^ So ist es geblieben in der Welt; aller gewaltsame Umsturz, jede plötzliche Revolution hat immer wieder zum Rückschläge, zur Contrerevolution geführt. Der Fortschritt auf dem Wege der Geistes-Initiative wird uns weiter führen. Unsere heutigen Zustände in Deutschland sind nicht seit gestern, sie wurzeln in früheren Jahrhunderten; thöricht ist es darum zu glauben, daß es morgen schon anders sein könne. Wenn also das Streben und Arbeiten des deutschen Volkes auch nur langsam und stückweise Resultate erringt, so muß uns das genug sein und zu weiterm Streben anspornen. Zunächst ist die Zeit der politischen Lethargie, des allgemeinen Jndifferentismus denn doch vorbei. Es ist allenthalben wieder Theilnahme und Interesse am politischen Leben erwacht und das Wiedereinschlafen dieser Bewegung wird um so weniger zu befürchten sein, je mehr wir uns oller Illusionen entschlagen, je mehr wir uns darüber klar werden, daß wir immer nur naheliegende, praktische, erreichbare Ziele tr.'s Auge zu fassen haben. Wenn selbst ein deutscher Fürst, der Herzog von Coburg, mit einem Reformplane hervortritt, so ist das ein Zeichen, daß man die Nothwendigkeit von Reformen auch auf den Thronen etnfieht. Binnen Kurzem werden wir erfahren, was die^ deutschen Regierungen zur Umgestaltung der Bundesverfassung thun wollen. Wie in der Natur, so wird auch in der Politik die Aernte erst langer Arbeit und mannigfachen Zwischenfällen folgen. Das Samenkorn, das wir in die Erde legen, sproßt erst unscheinbar und bedarf, ehe eS zur Reife gelangt, nicht blos des Sonnenscheines. Es