Einzelbild herunterladen
 

Zntelligeuz-Blatt

der freien Stadt Frankfurt, /|T|^ verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

---- •e*eee*eee®®eeeei,eee*e Ve sJ (Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)

M 266. Samstag den 9 November 1861.

Ueberblick der Ereignisse im Gebiete -er politischen un- materiellen Interessen.

P’ Frankfurt, 9. November. (Der Zollverein und der Handelsvertrag mit Frankreich.) Binnen etwa 18 Monaten laufen die Zollveretnscontracte ab und sollen solche erneuert werden. Muß, damit die bisherige Ordnung der Dinge nicht unterbrochen wird oder störende Ungewißheiten erwachsen, nicht schon binnen Kurzem, oder doch im Anfänge des nächsten Jahres dazu gethan werden, und wie ist es nun? Wird die Erneuerung der Zollveretnscontracte keine Anstände finden, oder sind dergleichen zu befürchten? Zu leugnen ist nicht, daß Preußen, welchem man die Gründung des Zollvereins, daS wichtigste Einiqungswerk, WeichesDeutschland bisher kennen lernte, zu verdanken hat, in politischer Beziehung, wie man nicht erst nachzuweisen braucht, von seiner Schöpfung keine solche Früchte bis jetzt erndtete, als es sich ursprünglich versprochen hatte, und ob es in materieller, namentlich volkswirthschaftlicher Hinsicht, diese ganze Zeit über ein lohnenderes Verhältniß bei dem Zollverein fand, ist, unserer Meinung nach, mindestens zweifelhaft. In der neuesten Zett hat die preußische Regierung ver­schiedene Versnche gemacht, das handelspolitische System des Zollvereins freier zu ge- tund ihn auf die Bahn des Fortschritts hinzudrängen, ist jedoch dabei stets auf rillen und Opposition von Seiten anderer Staaten gestoßen, und ihre Unter­handlungen mit Frankreich wegen des Abschlusses eines Handelsvertrags mit demselben scheinen vollends ein solches Schicksal erfahren zu sollen. Die Schwierigkeiten, welche dabei Preußen von einzelnen Staaten, namentlich mehreren südlichen, entgegen treten, entspringen keinen Bedachtnahmen, welche sich auf volkswtrthschaftltche Prinzipien stützen, die in solchen Dingen doch allein maßgebend sein sollten. Solche werden fast nur, theils durch Laune und Willkühr, theils durch schutzzöllnertsche Einflüsse dikttrt, welchen letzteren nachzugeben gewisse Regierungen des Südens noch immer schwach genug sind. In Summa hat das ganze, gesetzgeberische Wesen des Zollvereins in der jüngsten Zeit, wie nicht zu verkennen, mehr und mehr einen sehr haltlosen, aller Reform entgegenge­setzten Character angenommen, durch den diejenigen am wenigsten befriedigt werden, welche sich, wie in politischer, so auch in handelspolitischer und volkswirthschaftlicher Beziehung auf die Höhe der Zeit zu stellen wissen und dem Fortschritt zugethan sind. Die mit der Aufklärung Hand in Hand gehende öffentliche Meinung hat sich über diesen Punkt auch bereits vielfach ausgesprochen und man darf sich darüber ntchr länger täuschen, daß innerhalb des Zollvereins nicht wenig Stoff vorhanden iß, der den Fort- vestand desselben in Gefahr bringen kann, so wie auch, daß dieser Stoff sich nothwendig