Zntelligenz-Blatt
der freien Sindt Frankfurt, /g^ verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, lind den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage. "^
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(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
JK 264* Donnerstag den 7. November
1861.
Ueberblick der Greigniffe im WebLete der politischen unS materiellen Interessen
Frankfurt, 7. November. (Nordamerika und die europLische» Mächte.) Die politischen Verhältnisse jenseits des Oceans wachsen riesenmäßig; aber nicht im Guten, sondern im Bösen, und man sieht nicht, wo das Ende der Verwirrung sein wird. Allem Anscheine nach liegt in keiner der beiden mit einander kriegführenden Parteien Macht und Geschick, eine Entscheidung herbei zu führen. Das Ende vom Liede wird wohl von den europäischen Mächten gesungen und die Trennung der Union zur vollendeten Thatsache werden. Daran haben sowohl England und Frankreich wie Spanien ein sehr lebhaftes Interesse. England hat von Anfang an die nordamerikanischen Wirren mit geheimer Schadenfreude betrachtet und wünscht, wie sehr es auch seine wahren Gefühle und Empfindungen zu verschleiern sucht, nichts mehr, als daß sich der Norden und Süden im blutigen Bruderkriege zerfleischen mögen, damit die Entkräfteten ihm zur Beute fallen. — Die stolze Republik hat, nachdem sie sich der Herrschaft der Mutter entwunden, um ein selbstständiges Leben zu führen, dieser viele Demüthigungen zugefügt und ihren Stolz beleidigt, wovon man eine Menge von Beispielen anführen könnte. Die Klugheit mahnte die Mutter zur Nachgiebigkeit und Nachsicht, und dieser Umstand verleitete die stolze Tochter nur zu größerer Selbstverblendung, zur Ünüber« legtheit und zu einem maßlosen Dünkel. — England ist der Hoffnung, gegen Nord- Amerika wieder seinen ganzen Stolz heraukkehren zu können, sobald die Macht desselben getheilt ist. Denn mit einer getheilten Macht ist immer besser fertig zu werden, als mit einer in sich fest zusammenhängenden; es wird deßhalb die Gelegenheit ergreifen, den Süden anzuerkennen, und ist dies erst geschehen, dann wird es auch wohl der Anerkennung durch die That Nachdruck zu geben suchen. Die Ansichten, welche in England über die nordamerikanischen Vorgänge herrschen, kennzeichnen sich am besten *urch die Behauptung, daß 8 Millionen Menschen, die eines Willens seien, auch ein Recht hätten, denselben durchzusetzrn, sich eine Regierung nach ihrem Gefallen zu wählen und daß kein Anderer ihnen hierüber Vorschriften zu machen habe. — Eine noch größere Rolle aber, als beleidigter Stolz und Hochmuth spielt die Baumwollenfrage in der Si« Angelegenheit. — Viele Fabriken in England werden schon jetzt nicht mehr in
gehörigen Maße mit Baumwolle gespeist, und es ist zu erwarten, daß, wenn die gegenwärtigen Verhältnisse in Nordamerika noch längere Zeit fortdauern, für sie eine allgemeine Hungersnoth eintreten werde. Damit aber müßte dann auch für viele tausend Arbeiter wegen Mangel an Arbeit und Verdienst das Hungerleiden hereinbrechen.