Einzelbild herunterladen
 

Zntelligenz-BIatt der freien Fisdt Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

...... ...... ......

(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)

M 262. Dienstag den 5 November 1861.

Abonnementspreis für's halbe Jahr 2 fl. 30 kr. Tägliche Ausgabe außer Montags. Einrückungsgebühren: 6 kr. für die ganze, 3 kr. für die gespaltene Zeile.

Ueberblick der (Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, 5. November. (Z ur Situation.) Man wäre in Ler That ver­sucht, wenn man so manche politische Rückschrittsblätter liest, zu glauben, daß gewisse Menschen nicht die geringste Idee von dem Entwicklungsgänge und der successiven Aus­breitung der Culturtdeen in Europa haben. Einige ultrareactionäre Diplo­maten der alten Schule bilden sich noch immer ein, daß jedes frische Lebenszeichen und jede kräftige Manifestation von Wünschen nach nationaler oder socialer Veränderung ein Ver­brechen gegen das Bestehende, und folglich eine Störung der Ordnung sei. Aber auch das Bestehende hat seiner Zett nur dadurch zu Stande kommen können, indem es ein vorher Bestehendes umwarf; ein denkender Kopf muß sich also mit der alten philosophischen Wahrheit vertraut machen, daß jeder Tag und jedes Jahr eine Verände­rung bedingt, und daß, wer sich auf einen andern Grundsatz stützt, sich offenbar in einen Kampf mit der Natur und der Weltordnung einläßt. Daß sich ebensowohl Mißbräuche in den neuen Schöpfungen wie im Bestehenden befinden, kommt nicht in Betracht, und zwar aus zwei Gründen. Erstens, weil diese Mißbräuche selbst wieder den Keim anderer neuer Schöpfungen in sich bergen und zweitens weil neben diesen Mißbräuchen die junge Schöpfung stets einen Grund ihres Seins, einen socialen Fortschritt enthält, die sie nothwendig und wohlthätig für das Ganze der Menschheit macht. Verlorene Schlachten sind gewonnene Constitutionen, sagt ein bekannter Schriftsteller, und Kultur­ideen müssen, um durchdringen zu können, in despotisch regierten Ländern manchmal nach Mitteln greifen, die an sich zwar roh sind, durch ihre segensreichen Folgen aber eine Berechtigung beanspruchen können. So z. B. ist der Europäische Krieg mit China in seiner ersten Ursache auf das Verbot des Opiumhandels gegründet, und geht folglich von einer äußerst rohen und tadelnswerthen Forderung aus; derselbe Krieg aber wird die Wahrheiten der christlichen Religion im Reich der Mitte triumphiren lassen, und so­mit einer großen Bevölkerung endlich die Wohlthaten der christlichen Civilisation ver­schaffen. So ist es auch mit Montenegro. Eigentlich ist das Volk der schwarzen Berge hauptsächlich ein Räubervolk wie einst die Helden von Rom im Grunde anfangs auch nichts anders waren. Aber auf der Thatkraft dieses Räubervolkes beruht die Superio- rttät des christlichen Prinzips in den adriatischen Provinzen der Türket und folglich das Fortschritten der Culturtdeen. — Auch in Pole» sehen wir einen geistigen und fast