Zntelliflenz-Blatt
der freien Stadt Frankfurt» verbunden mit dem Amtsblatt. Organ der hiesigen Staatsbehörden, M und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
M 260. Samstag den 2. November 1861.
Ueberblick der Ereignisse. Lm Gebiete -er politischen nn- materiellen Interessen.
Frankfurt, 2. November. (Zur Situation.) Alle englischen Blätter beschäftigen sich mit dem Andenken des verstorbenen Str I. Graham. Ueber die Vielseitigkeit seiner Talents, seine Arbeitskraft und seinen guten Willen ist nur Eine Stimme zu hören. Daß er ein redlicher Verwaltungsreformer und Feind alles Nepotismus war, wird auch von Daily News bezeugt. Daß er trotz einer so seltenen Verbindung manntch- facher Erben und gewaltiger Geisteskräfte weder jemals sich einer allgemeinen Popularität erfreute, noch über den Parteien oder neben ihnen unabhängig stand, und auch niemals eine politische Rolle ersten Grades spiel e, wird allgemein seinem Mangel an moralischem Muth und fester Urbe-zrugung, wie seinem Durst nach dem Beifall des Augenblicks zugeschrieben. Doch rechnet ihn selbst der Herald, mit dessen Partei er sich öfter verfeindet hatte, zu den Größen der politischen Heroenzeit, die fast ganz geschwunden scheine, ohne einenNachwuchs zurückzulassen. Wer, ruft er melancholisch, soll uns 1880 regieren. — In feierlicher Audienz empfing der Kaiser Napoleon im Compiègner Schloß den zum Cardinal proclamirten Erzbischof von Chambery, Msgr. Billiet. Der apostolische Oblegat Msgr. Meglta eröffnete die Reihe der bei solchen Gelegenheiten üblichen Reden mit einer in sehr allgemeinen Ausdrücken gehaltenen Anrede, in welcher blos die Anspielung auf „die herben Schmerzen, wovon Seine Heiligkeit in Folge der nur zu bekannten Wechselfälle betroffen wurde," bemerkenswerth war. Der Kaiser erwiderte laut dem Moniteur, „er sage dem Papste Dank, daß er seine Wünsche erhört und dem würdigen Erzbischof von Chambery den CardinalShut verliehen habe; er freue sich stets des guten Einvernehmens, das zwischen dem heiligen Stuhle und feiner Regierung vorhanden sein müsse, und diese so notbwendige Eintracht könne sich nicht besser kundgeben, als durch die nothwendige Annahme der stets nur nach reiflicher Ueber- legung gemachten Vorschläge." Der Kaiser fügte nach dieser beziehungsreichen Mahnung laut dem Moniteur hinzu, „die Wahl, die der heilige Vater getroffen, um sich bei dieser Gelegenheit vertreten zu lassen, könne ihm, dem Kaiser, nur angenehm sein," worauf er mit der „Betheuerung von der Aufrichtigkeit seiner Wünsche und Gefühle für das verehrungswürdige Oberhaupt der Kirche" schloß. Hierauf verfügte der Kaiser sich mit den Großwürdentrâgern der Krone, den dienstthuenden Offizieren und Ministern zur Schloßcapelle, wo auch die Kaiserin mit ihren dienstthuenden Damen erschien. Nachdem der Kaiser dem Cardinal Billiet das Baret u Haupt gesetzt, hielt letzterer die gebräuchliche Dankesrede, worin er „seine Stimme mit der des ehrwürdigen Pins IX. vereinigend, dem Kaiser für alles dankte, was er