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Zutettigenz-Blatt

der freien Msdl Frankfurt, ^^^

verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage. t

(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)

M 258. Donnerstag den 31. October 1861.

Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt,31. October. (Zur Situation.) Trotz der friedlichen Auspicien, die überall auftauchen, scheint man dennoch von gewisser Seite wieder Unfrieden sâen zu wollen, man faselt von Angriffen Frankreichs auf die Schweiz, nachdem man von „Angriffen auf den Rhein" ein Lied, das seit sechs Jahren in allen Variationen in der ultramontanen Presse gesungen worden, nicht mehr zu schreien wagt, weil auf diese schrillen Töne der Disharmonie Niemand mehr lauscht; Frankreich wird sich hüten, auS Genf eine französische Stadt mit Gewalt der Waffen zu machen, weil dies bei der „Garantie", die der Schweiz von Europa gewährleistet ist, einen europäischen Krieg ohne allen Zweifel provociren würde; wenn sich aber zufällig Genf einmal eines Tages selbst freiwillig zur französischen Stadt durch die Majorität seiner Bewohner umschüfe, wenn die Schweiz diesen Willen der Majorität ehrt«, und ein Glied, das ihr nicht mehr gehören will, seinem selbstgewählten Schicksal überließe, wer könnte da­gegen mit Recht etwas sagen? Wo würde deshalb ein Kanonenschuß ertönen? Aber davon, sowie von etwaigen neuen kriegerischen Plänen Frankreichs, oder von einer Störung des Weltfriedens ist gewiß vorerst nichts zu bemerken. Im Gegentheil, die Sonne des Friedens strahlt hell. Wir citiren hier einen Artikel, den die „C ö l n i s ch e Z ei t u n g" im Jahre 1859 brachte, als das ganze Heer der Kriegsbelfer losgelassen war und nur die preußischen Blätter ihre ruhige Haltung bewahrten, er paßt auch heute noch. Man schrieb damals aus B e r l t n: „Der Reisende, der im Herbste des Morgens in einem Berglande wandert, trifft zu­weilen in der Höhe und im Thal dicke, feuchte Nebel, welche die Aussicht verschleiern, so daß man manchmal «ine Tanne für einen Kirchthurm ansieht. Solche Nebelgebilde sind jetzt überall an den Ufern der Kinzig bis zu den glücklichen Fluren, die der Lech bespült, aufzufinden. Friede, Krieg, Concentrationen, Coalitionen, Einigkeit, Zwietracht, freundliche Gesichter und mephistophelisches Grinzen finden sich an jeder Felswand, an jedem Kreuzweg. Soll man sich nun wundern, daß das Volk in eine wahre Berserker- wuth geräth und auch da dreinschlagen will, wo es eigentlich noch gar nichts zu schlagen gibt! Der ruhige Beobachter sieht aber keinen Grund, in solcher Nebellage'schon fertige,

Kopf bis zu Fuß gewappnete Meinungen zu erblicken. Die Combinationen der Politik der Cabinette gleichen einem künstlichen Gewebe, das eben nur ein erfahrener Weber nach seinem vollen Werthe schätzen kann; möge man daher nicht zu vorschnell urtheilen und absprechen, und wohl bedenken, daß eben das Volk schließlich die Jncon- ftquenzen des Volkes bezahlen muß. Was würde z. B. aus allen Kassandraltedern werden, wenn eines schönen Morgens die Sonne des Friedens über den düstern Nebel-