Intelligenz-Blatt
her freien MM Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen StaatsbeLörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
^. 248t Samstag den 19. October * 186L U
UeberblLE der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 19. October. (Die KrönungsfeterinKönigsberg.) $m 14. b. Mittags 12 Uhr setzte sich der Krönungszug in Bewegung. Seine Majestät, in der Garde-Uniform, stiegen zu Pferde und, zur linken Seite Ler Kronprinz, umgeben von den Prinzen des königlichen Hauses sowie einer glänzenden Suite, begaben Allerhöchstdteselben sich zum Einzuge in die Stadt. Ihre Mrjestät, in eine schwere Seidenrobe von lila Farbe gekleidet und von einem HermelinmLntelchen umgeben, nahmen in der mit acht Rappen bespannten Staatskarosse Platz, welchem Wagen wiederum eine glänzende Suite zu Pferde folgte. In gemessenem Tempo bewegte sich der Zug gegen die Stadt und kaum war das geliebte Herrscherpaar im Weichbilde derselben angelangt, als Kanonendonner und Glockengeläute dem Volke von dem freudigen Ereigniß Kunde gaben. Das kürzlich neu erbaute Brandenburger Festungsthor war seiner Funktion enthoben, die EingangS- schwelle Königsbergs zu sein, denn zum Empfange der Majestäten war am Eingänge des alten Gartens, etwa 150 Fuß vom Festungsthore entfernt, ein von Holz und Leinwand in Form eines römischen Triumphbogens errichtetes Thor gebaut. Am Empfangsthore waren 60 weißgekleidete Jungfrauen versammelt, lauter blühende Gestalten mit hübschen Gesichtern. Ueber der rechten Schulter trugen die jungen Damen grüne Schärpen, auf der Schulter eine schwarz-weiße Rosette mit gelbem Zipfel, eine gleiche Rosette am unteren Ende der Schärpe, jedoch ohne den Zipfel. Fräulein Anna Rosenkranz (Tochter des Geheimen Raths Prof. Dr. Rosenkranz) hielt die Anrede an den König und Fräulein Charlotte Gebauhr (Tochter des Piano forte Fabrikanten) überreichte ein Festgedicht. An Ihre Majestät hielt Fräulein Helene Bigorck (Tochter des Bürgermeisters) die Anrede und Fräulein Marie Oppenheim (Tochter des belgischen ConsulS) überreichte auf weißem Atlaskissen ein Gedicht, welches die Königin sammt dem Kissen zu sich in den Wagen nahm; Ihre Majestät äußerte in huldvoller Weise Ihr Bedauern darüber, daß sie seit 1843 nicht in der Lage gewesen, Königsberg sehen zu können. Hierauf wogte der Festeszug unter rauschendem Jubel der Menge durch die mit wehenden Fahnen und Emblemen, mit reichem Laubgewtnde und Statuetten glänzend decorir- ten Straßen. Durch die Spaliere der Gilden und Innungen bewegte sich der Zug unter nicht enden wollendem Hurrahruf der Volksmenge, welche die Straßen und Plätze bedeckte, zum Königlichen Schlosse. Alle Häuser, an denen der Königliche Zug vorüber kam, waren reich geschmückt und bis zum Dache hinauf mit Zuschauern besitzt, die durch unaufhörliches Schwenken mit Tüchern und durch Hurrahrufen dem Köntgspaare ihr Willkommen entgegen trugen. Aus dem Pregel, nahe der grünen Brück« befanden sich