Intelligenz-Blatt
der freien Stadt Frankfurt, ^^ verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
--MUHtmeNM*««««--
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
^. 242. SamStag den 12. October 1861.
Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 12. October. (Materielle Interessen.) Die Herbstmonate find für Kapitalisten und Spekulanten gewöhnlich eine Zett von Erregung und Gefahr. In dieser Periode des Jahres werden die Resultate der Erndten eingespeichert und verkauft, eine ungeheure Summe Geldes verläßt die heiligen Hellen der Banken und Kassenschränke, um dem Handel die nöthigen Mittel zu verschaffen, die vielfältigsten Producte des Landbaues und der Schifffahrt einzukaufen, um sie später im Laufe des Winters mit Nutzen zu verwerthen. Kommt nun zu dieser regelmäßig wiederkehrenden Erscheinung eine ausnahmsweise finanzielle Bewegung, ist die Bilanz des Handels mit fremden Ländern zufällig unvortheilhaft, drückt ein Anlehen auf die Kurse, sind in Folge von Handelsverträgen bedeutendere Einfuhren von Waaren und somit exceptionelle Ausfuhren von Metall in Aussicht, so häufen sich diese verschiedenen Gewölk« zu einer schwarzen Gewitterwolke, die Angst der Gemüther drückt den finanziellen Barometer auf Sturm herab und jene Nachteulen von Baissiers, die nur in der Finsterniß auf ihren Raub ausgehen, schlagen gierig mit ihren verwitterten Flügeln, und krächzen ein Triumphlied über die Niederlage der Börse und über das Ende der Welt. In solcher Sachlage muß man sich besonders häufig den Grundsatz wiederholen, daß Bange machen nichts gilt, und daß die erprobtesten aller Speculateure, die Engländer, gerade in solchen Momenten jene olympische Ruhe zu bewahren wissen, die das sicherste Zeichen kluger Bankiers und großer Feldherren ist. Möge unser deutsches handeltreibendes Publikum diese klassische Ruhe besonders im gegenwärtigen Momente bewahren! Wo ist denn eigentlich das Ende der Welt? Besteht es vielleicht darin, daß die Pariser Bank ultimo dieses Monats 80 Millionen Franken sammt einer vortheilhaften Commission auf ihre Wechsel für Getreide einkasstren wird? Besteht es vielleicht darin, daß England den neuen Handelsvertrag benutzend, für einige Millionen Baumwollenwaaren nach Frankreich hinüberbringt? Oder glaubt man wirklich, daß dieses Land von einer Sündfluth englischer Baumwollenstrümpfe bedroht ist? Ist man wirklich der Meinung, daß die französischen Fabriken durch einen Schutzzoll von 15% vertheidigt, nicht mit den englischen Importen concurriren können? Hält man denn die Spesen, die Transportkosten, die Unkenntnis des französischen Geschmacks für keine Hemmnisse gegen den großbrittani- schen Ausfuhrhandel? Wer die Sache aufmerksam betrachtet, sollte sich nicht durch diese Gespensterfurcht aus der Fassung bringen lassen. Wenn England nach Frankrrich im- portirt, so wird auch Frankreich nach England Waaren senden, das merkantile Gleichgewicht wird sich Herstellen, und die freundlichen Sonnenstrahlen, die seit der Zusammen-