Intelligenz-Blatt
der freien Madl Frankfurt. verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, M und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
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(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
M 240. Donnerstag den 10. Oktober 1861.
Ueberblick der CreignMe im Gebiete der politisches «n- materiellen Interessen.
Frankfurt, 10. October. Das Schloß zu Compiegne, welches der König von Preußen am 8. dieses wieder verlassen hat, ist ein Rococo-Gebäude, das mit der Fa?ide des Palais-Royal in Parts die größte Aehnlichkeit hat. Die Revolution verwandelte es in ein Piytaneum, aber Napoleon wollte es zu einem Jnvaliden- bause entthronter Könige machen und setzte den betrogenen Karl IV. von Spanien sammt seinem Godoy, dem Frièdensfürsten, hinein. Aber 1809 wurde es wieder auf die eleganteste Weise restaurirr, Karl entfernt und Marie Louise hier empfangen. Er hatte die Aufmerksamkeit, gewisse Gänge und Alleen schaffen zu lassen, die aufs Lebhafteste an Schönbrunn erinnerten. Der Herzog von Reichstadt, der hier einen Theil seiner Kindheit verlebte, konnte in Schönbrunn träumen, daß er in seiner Heimath sterbe. Napoleon III., der gerne in Allem an das erste Empire anknüpft, nahm das verlassene Compiegne wieder auf, kam oft hierher, verliebte sich zwar in Fontainebleau, verlobte sich aber hier, und es ist ihm gewiß eine große Genugthuung, den Hobenzollern hier zu empfangen. In wenigen Tagen soll man, was Ausschmückung betrifft, Wunder gewirkt haben. Das Schloß ist nach einem von Gabriel, erstem Architekten Ludwtg's XV., entworfenen Plane gebaut, der mit Verschönerungen durch Godot, d'Orbay, Bellicart und Ledreux um die Mitte des vorigen Jahrhunderts zur Ausführung kam. Es bildet ein unregelmäßiges Dreieck, dessen längste Seite etwas über 190 Meter mißt. In der Mitte derselben befindet sich ein auf vier jonischen Säulen ruhender Vorbau, an den auf dem Dache eine rings umher laufende Balustrade sich anschließt. Die beiden anderen Seiten werden verbunden durch eine imposante Säulenhalle, die überdacht ist und den eigentlichen Haupteingang bildet. Die zahllosen kleinen Gemächer und versteckten Treppen im Innern des Schlosses mußten unter Napoleon I. großen Appartements Platz machen, die, ähnlich wie in St. Cloud angelegt, doch um vieles größer und schöner von Percier und Lafontaine entworfen, von Berthault ausgeführt sind. Die Gemächer der Kaiserin, getrennt von denen des Kaisers, stehen doch in bequemster Verbindung; ebenso ist die Anlage der Küchen und Wohnung für Gefolge und Dienerschaft ein wahres Muster von Geschmack und Bequemlichkeit. Besonders schön sind die große Gallerte (45 Meter lang), der Saal, der Garten, die Kapelle und die breite Treppe. Alles ist reich ausgestattet und geschmückt mit den Malereien Redoutö's und Girodet's, die den Sculpturen Beauvalet's den Rang streitig zu machen scheinen. Die Gebäude umschließen sechs Höfe: den Bäder-, Brunnen-, Küchen-, den Kapellen-, den Orangerie- und den Ehrenhof, welchen letzteren ein von Raguet (1784) meisterhaft gearbeitetes