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Intelligenz-Blatt

der freien SM Frankfurt, XEJ verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

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(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachtbausgasse 21.)

^U. 224. SamStag den 21. September_______1861.

Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, 21. September. Wenn wir die Fortschritts- und Etnigungsbewegung unter den europäischen Völkern betrachten, so kann es uns nicht entgehen, daß wir uns dessen, was in unserem Vaterlande vorgeht, nicht zu schämen brauchen, sondern uns, ohne uns des Pharisäerthums schuldig zu machen, doch etwas darauf einbilden dürfen, „daß wir nicht sind, wie die Andern." Zu einer solchen Umschau muß man sich um so mehr gedrängt fühlen, als man nur zu häufig neidische Blicke sich nach dem Auslande wenden sieht, als hätten wir uns etwa an Italienern, Ungarn rc. ein Beispiel zu nehmen. Sehen wir uns z. B. einmal die gegenwärtige polnische Agitation an. Sie äußert sich in wahr­haft kindischen Manifestationen. Man erklärt den „deutschen" Frack in die Acht, als wäre Deutschland an dem Unglück Polens Schuld. Man rottet sich auf den Straßen ohne Waffen zusammen, wirft den Deutschen die Fensterscheiben ein rc. Hauptsächlich aber macht man die Kirchen zum Schauplatz der Bewegung. Der liebe Gott wird auf eine wahrhaft fanatische Art mit Messen, Wallfahrten, Gebeten und Gesängen drang- salirt, doch dem unglücklichen Polen wieder zu helfen. Wenn man nun nicht etwa er­wartet, Gott werde die Pest unter die Russen schicken oder seine himmlischen Heerschaaren senden, um die Bedränger Polens von dem Angesichte des Erdbodens zu vertilgen, so wird nichts übrig bleiben, als der Ansicht zu sein, die Polen würden besser thun, sich an das alte probate deutsche Sprichwort zu halten: „Hilf dir selbst und Gott wird dir helfen." Wie aber die Polen sich gegenwärtig anstelle», können ihre Manifestationen nur einen höchst kläglichen Eindruck machen. Sehr viel besser ist eS auch mit den Ungarn nicht. Wir leugnen nicht, daß ihr Festhalten an den alten Rechten ihres Landes, be­sonders aber die erstaunliche Einmüthigkeit, mit der die ganze Nation auftritt, einen tmvonirenden Eindruck machen muß. Allein wenn man sonst das Gebühren der nach Autonomie ringenden Nationalitäten in Oesterreich ansieht, so erscheint es eben so lächer­lich, wie für unS Deutsche verletzend. Man ist in Ungarn nicht ein Patriot, wenn man nicht die Nationaltracht trägt; der Ctlinderhut wird etngeschlagen, der Frack ist geächtet. In Prag soll in keiner Schule mehr Deutsch gelehrt werden. Diese Helden der „heiligen böhmischen Kronei" Streift ihre ganze Agitation nicht hart an die Kinderei an? Sie reden von Gleichberechtigung der Nationalitäten und wollen doch nur herrschen, um andere zu unterdrücken. Sie müssen sich daher nicht wundern, wenn sie schließlich utcht einmal das erlangen, was sie mit Recht fordern können. Auf die Culturstufe, aus der sich Czechen und Magyaren zeigen, können wir Deutschen denn doch herabsehen i Ein