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Intelligenz-Blatt

der freien Stadt Frankfurt, /^^

Verbunds« mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, â^U^WMM und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)

M 198. Donnerstag den 22. August 186L

Ueberbliek der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, 22. August. Wir schrieben kürzlich, sagt ein nahes rheinisches Blatt, daß die politischen Verhältnisse Europa's einer Besserung entgegengingen, und daß mit dem vermehrten Gefühle der Ruhe auch die finanziellen Zustande einen neuen Aufschwung nehmen würden. Kurz nach dieser Prophezeihung hat die Bank von Eng­land ihren Geldzins heruntergesetzt und sofort in der französischen Bank Nach­ahmung gefunden. Am 9. d. M. hat die erste dieser Banken eine zweite Herabsetzung eintreten lassen, und es ist wahrscheinlich, daß man in wenigen Wochen den Geldzins auf 4 oder 31/2 Procent setzen wird. Verbindet man nun diese auf die Geldverhäünisse so Vortheilhaft wirkenden Verminderungen des Diskonto mit dem Factum, daß Oester­reich in diesem Augenblicke durch eine bedeutende Exportation seines Getreides starke Summen einnimmt und dadurch seinem chronischen Geldmangel eine große Erleichterung verschafft, so ist der Schluß dieser Beobachtungen dahin zu ziehen, daß der allgemeine Credit Europa's von 6 zu 4 und folglich um 33 Procent gestiegen ist, und die Geschäfte und die Circulation unzweifelhaft großen Nutzen daraus ziehen werden. Es ist gewiß «f-eultch, den merkantilen Kreisen ein so günstiges Prognostikon stellen zu können, doch müssen sich die Geschäftsleute sehr davor hüten, die finanzielle Situation durch politische Berechnungen und Verrechnungen zu ihrem eigenen Schaden zu verrücken. Nichts ist gefährlicher, als auf Politik hin zu speculiren, während nur die Operation, die auf Ueberfluß oder Mangel des Geldes basirt, eine allein richtige ist. Ebenso muß man auch den pessimistischen Anschauungen mehrerer deutschen Ftnanzb'ätter gegen das Pariser Credit mobilier ein gerechtes Mißtrauen entgegenstellen. Es hilft nichts, einer so mäch­tigen Anstalt jeden Tag vergebens den Tod zu provhezeihcn, die Unterrichteten lächeln, wenn sie daS großartige Etablissement des V-ndomeplatzes hie und da mit dcr MireS'sckcn Bank oder mit gewissen schwindsüchtigen deutschen Ftnanzetnrichtungen vergleichen bören. Daß in den drei letzten Jahren von völliger Creditlosigkeit das Pariser Credit mobilier keine großen Dividenden zahlte, ist für Jeden begreiflich, der ettfW, dH in einer creditlosen Zeit Etablissements, die nur dazu bestimmt sind, vom Credite zu leben, äußerst bedächtig und vorsichtig sein müssen, um ihren Theilnehmern keinen Schaden zuzufügen. Man lasse aber nur eine günstigere Zeit eintreten, und man wird sehen, ob irgend ein Haus in Europa bessere Dividenden zahlt. Es ist nämlich eine bekannte Sache, daß dieses Etablissement in seinem Portefeuille eine über­aus große Anzahl von Popieren hat, die sich alle in der letzten Zeit um hundert oder hundert und fünfzig Franken verbessert haben. Man weiß auch daß es im Hotel de