ZnteMgenz-BIatt der freien Stadt Frankfurt, /^ verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehhrdeil, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage. ,
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 81.)
M 182-______Samstag den 3. August _______1861.
Ueberblick der Greignisse im Gebiete -er politische« un- materiellen Interessen.
Frankfurt, 3. August. (Der französisch-deutsche Handelsvertrag.) Unter den verschiedenartigen Symptomen des immer sicherer hervortretenden Friedens verdienen die jetzt in Berlin gepflogenen commerciellen Verhandlungen eine besondere Beachtung. Der leitende Gedanke, welcher diesen Verhandlungen zu Grunde liegt, ist der, dem merkantilen Europa durch eine Reform jener veralteten prohibitiven Grundsätze einen neuen Schwung zu geben, den Geschäften eine vermehrte Thätigkeit zu verleihen und durch eine größer« Bewegung der Arbetts- und Kapitalkräfte den Reichthum des Volkes zu vermehren. Sowie Kaiser Napoleon durch den dem Königreiche Italien ertheilten Schutz die dortige politische Fäulniß und mit ihr den immerwährenden Keim von Verschwörungen und Revolutionen zernichtet hat, so wird durch das von ganz Europa angenommene System des Freihandels die Armuth der arbeitenden Klassen gehoben werden, und eben dadurch dürften auch die Grundsätze eines wahren Konservativismus unter der Majorität der europäischen Bevölkerung sich mächtig und fühlbar verbreiten. Diese Politik ist eines jener edlen Producte der immer weiter vorschrettenden Civilisation. Strenge Tarife und verschlossene Territorien find Ueberreste der Unwissenheit und der Barbarei. ES ist eben so unfinnig, Länder von einander abzuschließen, als es wahnsinnig wäre, die verschiedenen Theile derselben Stadt von einander abzusperren. Jede dieser Barrieren tödtet tausendfache Keime von Arbeit und Gewinn; ein Verlust, der die arbeitenden Klassen und die dem Socialismus durch ihre Dürftigkeit so leicht zugänglichen Reihen der Fabrikbevölkerung besonders hart trifft. ES ist ein Zeichen der Zeit und ein Beweis der tieferen Einsicht der Preußischen Regierung, daß sie in einem Augenblicke, wo England, Belgien, Frankreich, die Schweiz in die nämliche fruchtbare Freihandelsstimmung eintreten, nicht ruhig die Hände in den Schooß legt, sondern frisch und unverdrossen zu einer immer engeren Fusion des Zollvereins mit diesen reichen Gebieten die Gelegenheit gibt. Durch diese Annäherung des Handels und der Industrie wird zu gleicher Zeit die Revolution von unten und der Krieg von oben entfernt. Nebenbei ist zu bedenken, daß Frankreich durch die Schöpfung verschtedeker äußerst vortheilhafter Dampflinten zwischen seinen Häfen und den bedeutendsten Stapelplätzen von Amerika, Indien, China und Australien eben im Begriffe steht, den Correspondenzwegen und dem Handel des Kontinents unermeßliche Vortheile zu gewähren. Es ist ein bekanntes Factum, daß die Reisenden und die Waaren auf diesen französischen Dampfern viel besser behandelt werden, als auf den englischen und amerikanischen. Jeder, der mit diesen Verhältnissen nur ein wenig vertraut ist, wird