Blatt
der freien Stabt Fr den mit dem Amtsblatt, Organ der Hief und den Frankfurter Nachrichten als
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
M180. Donnerstag den 1. August 1861.
Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen un- materiellen Interessen.
Frankfurt, 1. August. (Zur Situation.) Es hat allen Anschein, daß die Oliven, die Palmen und die Myrthen des Friedens noch in diesem Spätsommer den üppigsten Segen über Europa verbreiten werden. Auf allen Seiten des Horizontes sehen wir das schwarze Gewölle des Unfriedens auf dem Rückzüge begriffen und der Sonnenschein der politischen Ruhe und jener Sicherheitsperiode, die für die neueren Staatsconstructionen nothwendig ist, erhebt sich mehr und mehr am Firmament der Europäischen Politik. In Rußland ist seit dem Krimkriege die weise und schätzbare Ueberzeugung entstanden, daß dieses unermeßliche Reich nicht durch reactionären Stillstand, sondern durch thätige und verständige Ausbeutung seiner unermeßlichen Hülfs- quellen seine Größe wett mehr befördert als durch eine kriegerische Handlungsweise, für welche die Ausdehnung seines Gebiets und der Mangel der Wegstraßen ein unüberwindliches Hinderniß ist. Sein Plan muß sein, silberne Münze und eiserne Schienen von Petersburg bis zur chinesischen Mauer in Fluß zu bringen. JedeS Jahr, das nicht diesem Hauptzwecke dient, ist ein weggeworfeneS. Es muß darnach trachten, anstatt an den Extremitäten, in seinem Centrum reich und civtlistrt zu sein, und gewiß wird ein russischer Pereire dem Staate nützlicher sein, als alle russischen Feldmarschälle zusammen. — In Preußen bricht sich die Ueberzeugung immer mehr Bahn, daß seine protestantisch« Mission Nichts mit dem heiligen Antonelli und dem heiligen Januarius gemein hat und daß wenn auch vielleicht S a r d i n i e n das geschriebene Gesetz verletzt, es dagegen das ewige, in dem Herzen der Völker geschriebene Recht zur Geltung gebracht und die Freiheit der italienischen Nation hergestellt hat. —Mit Freuden sieht man jedes Mißverstândniß zwischen der Königlichen Regierung und dem westliben mächtigen Nachbar verschwinden; bald schließt ein H and« ls tractat sein Friedensband um die beiden Völker und die immer wahrscheinlicher werdende Gegenwart des ritterlichen preußischen Herrschers in Chalons wird selbst dem Blindesten beweisen, daß Europa beruhigt ist und die Epoche der Thätigkeit und der Arbeit wieder vor der Thüre steht. — Die Erscheinung eines wirklich kräftigen Charakters auf jenem türkischen Thron, wo so lange nur Weichlinge geseffen, entfernt ebenfalls jedes Zwtschenereigniß, das der Befestigung der orientalischen Wiedergeburt schaden könnte, und das Rescript des Kaisers Franz Joseph wird, in den Ebenen der Theis und der Donau alle hyperradikalen Träume verscheuchend, auch den dortigen reichen Stämmen die Wohlthaten der materiellen und moralischen Ruhe verschaffen. — Alles wäre sonach in Europa geebnet und wir würden diese Welt wie Candine für die beste der Welten