Intelligenz Blatt her freien MM Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
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(Expedition: am Geistpsörtchen, Schlachthausgaffe 21.)
M 162. Donnerstag den 11. Juli 1861.
Ueberblick der Ereignisse im Gebiete -er politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 11. Juli. (Zur Situation.) Der ungarische Landtag hat sich bequemt, die Adresse an den Kaiser in der ursprünglichen Deak'schen Fassung zu corrigiren und in der Ueberschrift den Kaiser als das was er ist anzmrkennen. Daß der Kaiser von Oesterreich eine Adresse, in der er nur als „Allerdurchlaüchtigster Herr" angeredet und ihm die Anerkenntniß als Kaiser oder König ausdrücklich verweigert wurde, nicht annehmen werde, hätten sich die Herren in Pesth an den Fingern abzählen können. Jetzt votiren sie „mit Begeisterung" die verlangte Ueberschrift, was denn doch einer gelinden Blamage ziemlich ähnlich sieht. Die Deak'schen Forderungen sind bekanntlich außerordentlich weitgehend und man ist mit Recht gespannt darauf, in wie weit die österreichische Regierung auf dieselben einzugehen sich entschlossen hat. Wir werden darüber ohne Zweifel sehr bald Aufschluß haben. — Die Kreuzzeitungspartei in Preußen ist sehr betrübt über das königliche Manifest, wodurch von der seither üblichen Erbhuldigung es sein Abkommen hat und an ihre Stelle die einfache Königskrönung, und das noch gar in Gegenwart des Landtages treten soll. Die Junker- schaft, das Ständewesen hatte sich schon gefreut, wieder einmal im alten Glanze erscheinen zu können und nun will der König nichts, wiè eine einfache Krönung inmitten bet konstitutionellen Vertreter des Landes, unter denen der Eine so viel ist, wie der Andere. Die „Kreuzzeitung" erhebt schon im Namen ihrer Edlen Protest. Diese Entscheidung ist ein Sieg des liberalen Ministeriums in Berlin, dessen Fortbestand somit gesichert und neu befestigt scheint. — Der berühmte Staatsrechtslehrer Robert von Mvhl, hätte nicht glücklicher debutiren können, als mit seinem in ganz Deutschland freudige Sensation machenden Anträge auf Zurücknahme der Bundestagsbeschlüsse in der kurhessischen Verfassungs-Angelegenheit. Wir sind in der That neugierig, was für ein Schicksal dieser Antrag haben wird. Die deutschen Kammern haben sich Meisten« bereits entschieden in demselben Sinne ausgesprochen; die würtembergischen Abgeordneten sind im Begriff, eine ähnliche Erklärung abzugeben. — Einen erheiternden Eindruck macht das Gewicht, welches vielseitig der Rede Ricasolts, worin er die Eroberung Roms und Venedigs in nahe Aussicht stellt, beigelegt wird; insbesondere finden wir die ernste Miene der Mißbilligung, welche die französischen Regierungsblätter aufziehen, komisch. Die gewaltigen Worte des italienischen Ministers hatten offenbar keinen andern Zweck, als die Partei der Heißsporne zu beschwichtigen und vom Drängen abzuhalten.