Intelligenz-Blatt
der freien AM Frankfurts /^
»erbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachrhausgaffe 21.)
M 158. Samstag den 6. Juli "^^1861.
TLb" Bestellung auf das Intelligenz- und Amtsblatt und die Frankfurter Nachrichten werden täglich von der Expedition für dieses Semester angenommen.
Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politische« u«d Materielle« Interesse«.
Frankfurt, 6. Juli. In einer Note Metternichs an Thouvenel vom 28. Mai wird darauf hingewtesen, daß Oesterreich den Begebenheiten in Italien seit zwei Jahren ruhig zugesehen habe, um durch eine Intervention den europäischen Frieden nicht zu stören; als aber Piemont die Marken und Umbrien besetzte, hätten die Gefahren des Papstes und die Interessen des Katholicismus an der Erhaltung seiner weltlichen Macht Oesterreich veranlaßt, sich mit Spanien über die Mittel solchen Uebergriffen Grenzen zu setzen, zu verständigen; beide Mächte hätten sich dann an Frankreich gewendet, das aber den Verlauf der Ereignisse erst abwarten wollte, um dann gemeinschaftlich die Lage bei Kirchenstaates zu ordnen. Seitdem habe sich die Lage verschlimmert; Rom solle die Residenz des Königs von Piemont werden und die katholische Welt ihre Hauptstadt verlieren. So lange die französische Armee den Papst schütze, sei dies freilich nicht zu fürchten, allein eS sei nicht gerecht, daß Frankreich allein alle Gefahren und Verlegenheiten dieser Protectionen trage, welche die ganze katholische Welt interesstre; wenn der Kaiser daher den Moment gekommen glaube, um zum Schutz des Papstes die katholischen Mächte zu vereinigen, so wären Oesterreich und Spanien zur Mitwirkung bereit, um die den Katholiken gehörende Hauptstadt der katholischen Welt und die darin bewahrten Archive sicher zu stellen; Frankreich werde gewiß nie auf die Ansichten CavourS ringehen und der Kaiser daher wohl ein Einvernehmen zwischen den drei Mächten zur Beschwörung der dem Papst drohenden Gefahren zu bewirken suchen. Bekanntlich hat Thouvenel in Beantwortung dieser Note es abgelehnt, auf die Ansichten der beiden katholischen Mächte einzugehen. — „Times" loben die neuesten Thou« venkl'schen Noten und halten es für sehr inconsequent, nach solchen Erklärungen die Occupatton Roms fortbestehen zu lassen, verkennen aber die Schwierigkeiten für eine katholische Macht nicht, das Papstthum verfallen zu lasten; denn tagen sie, wenn das Patrimonium St. Peters sâcularisirt wird und alle wahre oder falsche Befitztitel, die den Patriarchen von Rom zum größten Fürsten machten, vernichtet sind, wenn das Werk der Gregor und Jnnocenz zerstört und der römische Hof nur noch ein Bischofssitz ist, dann ist seine Prestige und der Glaube an ihn der-