ZnteMgenz-Matt der freien Stadt Frankfurt, /te »etSuttben mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen'Maatsbehörden, W und den Frankfurter NachrichtM als Extrabeilage. r^MM
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.) .
M 136.________DienStag den 11. Juni , 1861.
UeberblLS der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 11. Juni. Der größte Staatsmann unseres Jahrzehnts, einer der besonnensten Patrioten Italiens und einer der entschiedensten Förderer des Fortschrittes ist dahingegangen, von Millionen betrauert, von Tausenden gehaßt. Wie Cavour der eigentliche Begründer des Königreichs Italien wurde, welches et seit vielen Jahren mit einer Beharrlichkeit und Ausdauer ohne Gleichen vorbereitete, so hat er auch die glorreiche Reihe hervorragender Staatsmänner, durch welche Italien schon vor Jahrhunderten zum politischen Lehrmeister Europas wurde, durch seinen Namen vergrößert. Im Jahre 1809 in Turin geboren, wohin sein Vater, ein geadelter Ge- treidehändler auS der Grafschaft Nizza, übergesiedelt war, beschäftigte sich Cavour schon frühzeitig mit dem Studium der Nationalökonomie und verwandter Wissenschaften, bereiste Frankreich und England, half eine landwirthschaftliche Gesellschaft und das konstitutionelle Blatt Risorgimento gründen, unterzeichnete 1847 die Adresse, in welcher Karl Albert um die Verleihung einer Verfassung gebeten wurde, kam darauf als Abgeordneter in die Kammer, in welcher er sich nach dem unglücklichen Kriege von 1849 so auszeichnete, daß ihn der von Victor Emanuel zum Ministerpräsidenten ernannte Marquis d'Azeglio in's Ministerium berief, in welchem er sich besonders mit der Ordnung der zerrütteten Finanzen zu beschäftigen hatte. Er schloß Handelsverträge mit Oesterreich, Frankreich, Belgien, England, sorgte für die Belebung des Verkehrs durch Straßen und Eisenbahnen und rechtfertigte in jeder Hinsicht den angeblichen Ausspruch des Königs: „Aber sehen Sie nicht, daß dieser Mann schließlich Sie Alle ausstechen wird?" — als ihn d'Azeglio demselben zum Handelsminister vorschlug. Die Annäherung Cavours an die Linke hatte 1852 seinen Austritt aus dem Ministerium zur Folge, in welches er jedoch schon im Oktober deffelben Jahres als Ministerpräsident berufen wurde, als d'Azeglio wegen seiner Streitigkeiten mit Rom seine Entlassung nahm. Seit dieser Zeit ist er mit einer kaum nennenswerthen Unterbrechung an der Spitze der Geschäfte geblieben und sehr häufig in die Lage gekommen, neben seinem eigenen Departement noch die von zwei oder drei anderen Ministerien mit verwalten zu müssen. Seine entschiedene Durchführung der Verfassung, welche ihm hauptsächlich, wenn nicht ausschließlich, das Mittel dünkte, Sardinien zum Kern Italiens zu machen, brachte ihn, der den Verkauf der Besitzungen zu todter Hand durchsetzte und den religiösen Körverschaften das Monopol des Unterrichts entzog, in so heftige Konflikte mit der Geistlichkeit, daß er fortan als der ungerathenste Sohn galt, über den stch die Kirche zu beschweren