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Intelligenz-Blatt

der freien Andi Frankfurt verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden,/^ und den Frankfurter Stachrichte» alS Extrabeilage. "^^

(Expedition: am Gerstpförtchen, Schlachthausgasse 21.)

M 124. Dienstag den 28. Mai 1861.

Ueberbliek der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, 28. Mai. (Aus Spanien). Wenn wir etwas nicht verstehe» oder uns „keinen Vers daraus machen können," so sagen wir, es kommt uns spanisch vor. DaS Spanische ist mit böhmischen Dörfern gleichbedeutend und unS eben so unbekannt, als der Zustand der höchst merkwürdigen, immer noch nicht annektirten italieni­schen Republik San Marino, von welcher kein Mensch Auskunft zu geben vermag. Trotzdem ist Spanien eines der bedeutendsten, gesegnetsten Länder Europa's und würde auch eines der einflußreichsten und mächtigsten sein, wenn seine Bevölkerung nicht durch die Herrschaft der Bourbonen systematisch auf den niedrigsten Grad der Bildung herab­gebracht worden wäre. Spanien, welches einst durch seine überseeischen Reiche, seine Besitzungen an den Küsten der Nordsee und in Italien, so wie durch seine innigen Be­ziehungen zu Deutschland, durch seine Diplomatie, seine Literatur in Verbindung mit der Malerei, durch seine Sprache und seine Sitten die ganze civilisirte Welt beherrschte, ist unter den Bourbonen allmälig zu einer Macht zweiten Ranges herabgesunken, welche sich sogar von Staaten, wie Belgien, Schweden und Portugal den Vortritt streitig machen lassen muß. Allerdings hatte es auch schon früher nicht an Bestrebungen gefehlt, das spanische Land und Volk so streng als möglich von der europäischen Völkerfamilie zu isoliren. Die grausame Vertreibung der betriebsamen Mauren, selbst wenn sie zum Christenthum übergetreten waren, rächte sich Jahrhunderte lang durch eine Niederlage der Industrie und durch die Erzeugung jenes düstern Chrrakterzuaes, welcher auch heute noch den Spanier von den übrigen Völkern des europäischen Südens unterscheidet. Die Ausbeutung der amerikanischen Besitzungen erschlaffte die ohnedies zur Trägheit geneigte Nation, anstatt sie, wie dies bei den kräftigen Engländern geschah, zu neuer Thätigkeit anzuspornen. Endlich that die unglaubliche Strenge, mit welcher die spanische Kirche jedes fremde Element verfolgte und vertilgte, das Ihrige, um jene Absonderung zu vollenden, durch welche der schönste und reichste Theil der pyrenäischen Halbinsel für Europa fast zu einem Fremdling geworden ist. Welch schmähliches Schauspiel führte die königliche Familie unter der Herrschaft Napoleons I. auf. Aber ob sie gleich ein Skandal für ganz Europa war, so erhob sich doch die gestimmte spanische Nation für sie, um die Napoleoniden zu vertreiben, deren Regiment in jeder Hinstcyt der Bourbonenwirthschaft vorzuziehen war. In Spanien empfing das fran­zösische Kaiserreich seine ersten tödtlichen Wunden; aber jedermann weiß auch wie die heldenmüthigen Aufopferungen des Volkes belohnt wurden. Die Bourbons rächten sich für ihre Wiedereinsetzung auf den spanischen Thron durch die gräßlichsten