Zntelligenz-Matt der freien SM Frankfurt, /S^
Verbund rw mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Stachrichte« als Extrabeilage. ß
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlâchihansgaffe 21.)
M 120. Donnerstag den 23. Mai 1861.
Ueberblèek der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interesse«.
Frankfurt, 24. Mai. Vom Vorstande des „Deutschen Nationalvereins" wird Folgendes veröffentlicht: Am 18. Mai versammelte sich der Ausschuß in Franke surt a. M. Gegenstand der Berathung waren vor allen Dingen die militärischen Interessen Deutschlands. Angesichts der Wechselfälle, welche der gegenwärtige Stand der schleswig-holstein'schen Angelegenheit in Aussicht stellt, wurden die in Hamburg und Bremen eingeleiteten Bestrebungen, zum Behufe des Küstenschutzes eine Flotille von Dampfkanonenbooten für die Nordsee zu schaffen, mit lebhafter Aneikennung begrüßt. Der Ausschuß beschloß, diese Bestrebungen zur nachdrücklichsten Unterstützung den Mitgliedern des Vereins um so dringender zu empfehlen, je weniger eine Aussicht vorhanden ist, daß die Sache des Küstenschutzes von Seiten deS Bundestages irgend eine Förderung erhalten werde, so daß die Uferstaaten lediglich auf sich selbst gestellt sind. Der Ausschuß anerkannte dabei die Richtigkeit der in Hamburg und Bremen hervorge- tretenen Auffassung, so daß ein so wichtiges Unternehmen nur gelingen könn"-, wenn die organtstrtcn Staatsgewalten, zunächst also die der unmittelbar betheiligten Uferstaaten die Sache in die Hand nehmen, und, daß eine Sammlung von Beiträgen für diesen Zweck bei Privatleuten und Corporationen, wie sie neuerdings im Königreich Sachsen erfolgreich betrieben wird, nur aushülfsweise dort von Bedeutung sei, wo auf eine bereitwillige und ausreichende Unterstützung seitens der Staatsgewalten keine Aussicht ist. Der Ausschuß hielt es für Pflicht nicht nur der Mitglieder des Vereins, sondern überhaupt jedes Patrioten, die ernsteste und aufopferndste Thätigkeit auf diesem Gebiete nicht abhängig zu machen von der officiellen Mitwirkung der preußischen Regierung bei den hervorgetretenen Bestrebungen in den Nordseestaaten. Man entschied sich für die Ansicht, daß die Staaten an der Nordsee ohne Rücksicht darauf, ob eine formelle Zustimmung der preußischen Regierung oder eine vertragsmäßige Vereinigung mit derselben bereits erfolgt ist, durch den thatkräftigen, wenn auch vorerst localen Anfang der Begründung einer deutschen Marine dem übrigen Deutschland ein Beispiel praktischer Entschlossenheit darbieten würden. Ein solches Beispiel werde in ganz Deutschland rasch zu lebhafter Nachfolge anfeuern. Es werde aber auch von Neuem der preußischen Regierung in unmittelbare Nähe den Entschluß rücken, endlich der unthätigen Politik der sogenannten freien Hand zu entsagen. Nurch durch eine offene Handlungsweise im nationalen, wie im wohlverstandenen preußischen Interesse wird die preußische Regierung es ermöglichen, daß aus kleinen und vereinzelten Anfängen eine ausreichende deutsche Seemacht geschaffen wird,