Einzelbild herunterladen
 

Zntelligenz-Blatt

der freien Stadt Frankfurt verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, DZ und den Fraulfiirtèr Nachrichten als Extrabeilage.

(Expedition: am Gekstpförtchen, Schlachthausgasse 21.)

Jg HL Samstag den 1L Mai 186L

Ueberbliek der Ereignisse im Erbiete der politischen und Materiellen Interessen.

Frankfurt, 11. Mai. New-Aork ist mitten in einer Revolution und im Kriege. Die friedlichen Beschäftigungen des täglichen Verkehrs haben dem Lärmen des Krieges «eichen müssen. Ueberall begegnet das Auge Uniformen und Soldaten, die nach Washing­ton und der Umgegend ziehen. Die Kriegsgerüchte und Bulletins bilden den einzigen Gegenstand des öffentlichen Interesses, fast alles Geschäft ruht, an den Straßenecken sieht man erregte Gruppen die Neuigkeiten des Tages verhandeln, der freie Platz um das Stadthaus wird mit provisorischen Casernen besetzt, die Zeitungs-Lokale sind von Morgens bis Abends belagert, eine Nachricht schlägt die andere, eine Ueberraschung verdrängt die andere. Der Süden hatte bisher in der Geschichte dieses Staatenbundes seine Herrschaft auf die Einschüchterung des Nordens gebaut. Jetzt, wo die alten Mittel nidt mehr verfangen wollen, hat er einen Staatsstreich gemacht, denn als einen solchen stellt sich die ganze Successionsbewegung täglich mehr heraus. Die südliche Oligarchie will Krieg auf Leben und Tod; sie kann nur herrschen, aber nicht gehorchen, nicht sich den constitutionellen Gewalten fügen. Sie spielt im Augenblick ihre letzten Trümpfe aus. Nachdem Fort Sumter am 14. April vom Major Anderson geräumt (nicht über- geten) war, bot Präsident Lincoln bekanntlich 75,000 Milizen auf, — eine viel zu ge­ringe Zahl, zumal wenn man bedenkt, daß die Mittelstaaten ihr (Kontingent zu stellen verweigern. Jefferson Davis antwortete darauf mit einer Proklamation, worin er im Namen der „verbündeten Staaten* bewaffneten Privatschiffen aller Nationen Kaperbriefe anbot. Diese gegen den Handel des Nordens gerichtete Gewaltmaßregel öffnete selbst den Friedfertigsten die Augen. Der Norden ist seitdem einig, enthusiastisch für die Er­haltung der Union, und die Verräther wagen sich vor dem einstimmig ausgesprochenen Volkswillen nicht zu rühren. Der Enthusiasmus der geringeren Volksklassen ist wahr­haft erhebend. Dank dem Zögern und Zaudern Lincoln's aber hat sich in der Zwischen­zeit die Successionsbewegung die Mittelstaaten Virginien und Maryland gewonnen, Ken­tucky und Tennessee schwanken noch, sind aber so frech, eine Neutralität und eventuelle Vermittlung zwischen dem Norden und dem Süden in Aussicht zu stellen. Wenn auch der Westen des Staates Virginien mit Trennung und Errichtung eines Freistaates ge­droht hat, so fällt diese Bedrohung des östlichen Theiles, den unmittelbaren Gefahren des Augenblickes gegenüber, nicht tn Betracht. Virginien und Maryland umgeben die Bundeshauptstadt Washington von allen Seiten, und auf diese ist es von den Rebellen C'H abgesehen. Die ersten Freiwilligen von Massachusetts eilten am 17. April zu

Entsätze herbei. Auf dem Marsche durch Baltimore, welches sich ganz in den