Intelligenz-Blatt
der freien MÜ! /rankfurt,
verbunden mit dein Amtsblntt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage. t
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(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)
102. Dienstag den 3o. April 1861. ^B^W»— »—»—»»«»-—>»»—»— » —«——.1 ||I|„|,|. ,~~—~~^~^~~~~~^ UeberbliA der Ereigutsse im Gebiete der politischen
u«d materiellen Interessen.
Frankfurt, 30. April. Die „Opinione* vom 24. d. bringt unter der Ueber- schrift: „Oesterreich und das Königreich Italien'^ folgende Mittheilung: „Einige Blätter meldeten, der Bundestag in Frankfurt habe unserem bevollmächtigten Minister in Folge der Proclamirung des Königreiches Italien die Pässe geschickt. Diese Nachricht ist grundlos, verdankt jedoch ihre Entstebung wahrscheinlich den Bemühungen Oesterreichs, daß der Bundestag allen Verkehr mit einer Macht abbrechen sollte, die, wie eS meint, durch das europäische Völkerrecht nicht anerkannt sei. Als Beleg für unsere Mittheilungen veröffentlichen wir folgende Auszüge aus zwei vertraulichen Depeschen des Grafen Rechberg an den Bundestag in Betreff des Königreiches Italien und der Stellung unseres Gesandten:
Erster Auszug aus einer vertraulichen Depesche des Grafen Rechberg vom 13. März 1861. . . . Diesen Titel anerkennen, wäre so viel wie eine stillschweigende Gutheißung der Usurpationen, die derselbe zu bestätigen sucht; es wäre der Todesstoß für das politische und territoriale System, in dessen Schatten Europa sich eines langen Friedens erfreut hat. Was uns betrifft, so haben wir bereits wieverholt Veranlassung genommen, feierlich gegen den flagranten Eingriff gegen StaatsvrrtrLge, den die pie- montesische Regierung gewagt, Protest zu erheben; wir haben wiederholt erklärt, daß alle in Italien erfolgten Gebietsveränderungen, als den in Kraft stehenden Verträgen zuwider, in unseren Augen weder der Thatsache noch dem Rechte nach vorhanden wären. Hieraus schon werden Sie ersehen, daß wir den Titel eines Königs von Italien nicht anerkennen werden, der, nach der Ansicht der Urheber des betreffenden Gesetzes augenscheinlich dahin zielt, in gegebener Zeit die bereits vollführten, wie die noch für die Zukunft vorbereiteten Usurpationen zu legitimiren.
Zweiter Auszug aus einer anderen vertraulichen Depesche deS Grafen Rechberg. Der Graf v. Rechberg lenkt die Aufmerksamkeit auf die sardinische Gesandtschaft in Frankfurt. Er spricht die Ansicht aus, der Bundestag könne die im Namen des Königs von Italien ausgestellten neuen Beglaubigungsschreiben nicht annehmen; er glaubt, daß, wenn derselbe die etngetretenen Veränderungen nicht anerkenne, er sich jede Art von Schwierigkeit ersparen werde. Seiner Ansicht nach müßte der Bund erklären, daß die Vollmachten des Gesandten des Königs Victor Emanuel als erloschen betrachtet werden
Ji, sobald er den Versuch machte, Vollmachten in Ausführung zu bringen oder Mittelung unter einem Titel zu machen, der dem kraft der Verträge bestehenden Staaten-Systeme fremd ist." (Anmerkung der „Opinione": Uebrigens enthält die Depesche keinen präcisirten Vorschlag in Betreff dieser Angelegenheit.)