Einzelbild herunterladen
 

AntelligenzBlatt

der freien Maüt Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

(Expedition: am Gekstpsörrchen, Schlachthausgaffe 21.)

JS 82. Samstag den 6. April 1861.

UeberMÄ der Ereignisse im Gebiete der politischen und materiellen Interessen.

Frankfurt, 6. April. (Japans Beziehungen zum Zollverein.) Nach­dem der Vertrag zwischen Preußen und Japan abgeschlossen ist, wird es von Interesse sein, zu ersehen, welche Artikel auf den nunmehr eröffneten japanesischen Markt Rech­nung machen dürfen. Ein mercantiles Mitglied der preußischen Expedition berichtet hierüber unterm 5. November v. I., daß, soweit sich die Verhältnisse des japanesischen Handels bis jetzt beurtheilen lassen, für einen großen Theil der zollveretnsländischen Industrie keine neuen Absatzwege dort zu eröffnen sein werde». Es wäre voreilig, — sagt der Bericht — über die Entwickelung der hiesigen Verkehrsverhältnisse für künftige Zetten ein Urtheil abgeben zu wollen; für jetzt aber, und so lange die Japanesen ihren Sitten, Lebenseinrichtungen und Gewohnheiten im Wesentlichen treu bleiben, werden im Wesentlichen auch nur wenige europäische Fabrikate unter ihnen heimisch und ihnen zum Bedürfniß werden. „Wollene Stoffe der verschiedensten Gattungen sind dabei für unsere zollvereinsländische Industrie von Bedeutung. Wolle besitzt das sonst so reich von der Natur ausgestattete Land nicht, und wird deshalb auch auf lange Zeit, wenn nicht auf immer, darauf angewiesen sein, wollene Zeuge von Europa zu beziehen, Im größeren Theil des Landes tritt der Winter empfindlich auf, und das Bedürfniß warmer Kleidung ist hier mindestens eben so groß, als während der entsprechenden Jahreszeit im südlichen Frankreich oder nördlichen Italien und Spanien. Auch für die Baum­woll-Industrie des Zollvereins kann Japan von ziemlicher Bedeutung werden, wenn schon sich nicht wegleugnen läßt, daß in allen sogenannten Stapel-Artikeln, wie Shir- tings, ordinären Chitzen u. s. w., der Manchester Markt durch seine Massenproduction das Uebergewicht behauptet, und der deutschen Industrie darin die Mitdewerbung noch nicht mit Erfolg möglich ist. Indessen holen die meisten Artikel bis jetzt hier solche Preise, daß der Vorsprung, welchen die englische Baumwoll-Industrie vor der unsrigen noch voraus hat, hier nicht so schwer in die Wagschale fällt. Endlich werden auch von den Japanesen allem Anscheine nach dauernd die besseren, wenn auch theuereren Stoffe vorgezogen werden, und dann ist der deutschen Industrie die Concurrenz schon wesent­lich leichter. Keinen Absatz finden nach den bisherigen Erfahrungen, und wie die Dinge gegenwärtig liegen: die Seiden-Jndustrie in Crefeld, Viersen, Elberfeld rc. (auch seide­nen Sammet, fertigen die Japaner selbst an), die Kurzwaaren, Knopf-, Band- und Posamentierwaaren im Wupperthal, die Eisen- und Messtngwaaren in Solingen, Vel­bert, Sachsen rc., die Leinen-Industrie in Westphalen, Schlesien, Sachsen rc., die Strumpf-