Zntelligenz-Blatt der freien Stadt Frankfurt, /SB verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden,i»w und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
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(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgaffe 21.) .
M 66. Dienstag den 19. März 1861.
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Ueberbttek der iRreignèsse iw Gebiets der politischen und Materiellen Interessen.
Frankfurt, 19. März. Die russische Regierung ist offenbar von der ungeschickten Einmischung der Truppen in die Warschauer Demonstration vom 25. und 27. Februar äußerst unangenehm berührt worden, und die überraschend ruhige und gemessene Haltung der polnischen Bevölkerung hat sie erschreckt; sonst war es undenkbar, daß sie nicht nur die Polizei, sondern die ganze Hauptstadt Tage lang in den Händen der Bürgerschaft ließ, derselben ihre Dankbarkeit ausdrückte und sich während der ganzen Zeit benahm, als laste das Schuldbewußtsein schwer auf ihrer' Seite. Unter solchen Umständen kann es nicht auffallen, daß ein so sanguinisches und leidenschaftliches Volk wie das polnische, sich zu den kühnsten Hoffnungen aufgeregt fühlt, von der Vereinigung der 15 Millionen Polen zu einer einheitlichen, staatlich anerkannten Nation träumt und vorläufig zum Mindesten auf die Herstellung des sogenannten Kongreß-Polen als abgesondertes Königreich mit der im Jahre 1831 vernichteten Konstitution rechnet. Die Verwirklichung der ersten Hoffnung stößt auf nicht weniger als drei Gegner, von denen keiner geneigt ist, seinen Besitz wieder herauszugeben. Preußen hat das Großherzog- thum Posen fast zur Hälfte germanisirt, da der Regierungsbezirk Posen neben 536,840 Polen 371,740 Deutsche und der Regierungsbezirk Bromberg neben 246,000 Polen 248,196 Deutsche zählt, und es wird diese jetzt halbdeutsch gewordene Provinz um so weniger aufgeben, als ihm dieselbe durch ihre geographische Lage und Stellung als Bindeglied zwischen Altpreußen und Schlesien nothwendig ist. Oesterreich wird sich schon deßhalb, weil es soeben erst in Italien eine starke Einbuße erlitten hat, mit allen Kräften gegen eine Herausgabe Galiziens und Krakau's sträuben, und was Rußland betrifft, so hat seiner Politik seit Jahrhunderten nichts so unablässig am Herzen gelegen, als das Kaiserreich durch den Besitz Polens in das europäische Staatensystem einzuführen. Der Kampf zur Wiedereroberung Polens in den Jahren 1830—1831 war auch von Seiten Rußlands ein Verzweistungskampf und es ist heute, wo es sich auf die Bahn des Fortschrittes zu begeben anschickt, der Besitz Polens mehr als jemals eine Existenzrage fürdasselbe. Und wie steht es mit der Verwirklichung der z w e i t e n Hoffnung ? Nicht zum 'estenl Der Kaiser Alexander hat auf die Adresse geantwortet! Zwar nicht in der Art eines Vaters, aber doch so, daß daraus hervorgeht, die russische Regierung denke nicht