Zntelliqenz-BIatt
der freien AM Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.
(Expedition: am Geistpförtchen, Schlachthausgasse 2t.)
M 56 Donnerstag den 7. März 1861.
Abonnementsprets für’« halbe Jahr 2 fl. 30kr. Tägliche Ausgabe außer Montags LinrückungSgebühren: 6 kr. für die ganze, 3 kr. für die gespaltene Zeile.
UeberblLâ der Ereignisse èm Gebiete der politischen und materiellen Interessen.
Frankfurt, 7. März. Der Text der Adresse der Polen an den Kaiser von Rußland, welche von den Häuptern der vornehmsten Familien, und selbst von Männern, die der russischen Regierung keineswegs feindlich gesinnt sind, unterzeichnet wurde, liegt jetzt vor. Die Adresse lautet: Sire! Die schmerzlichen Ereignisse, die sich in Warschau zugetragen haben, die Erbitterung, die denselben vorausgegangen ist, und das tiefe Gefühl der Trauer, die alle Herzen durchdrungen, haben uns ermuthigt, gegenwärtiges Gesuch im Namen des ganzen Landes Ew. Majestät in der Hoffnung zu Füßen zu legen, daß Ihr edles Herz, Sire, nicht taub gegen die Stimme einer sehr unglücklichen Nation bleiben werde. Die Ereignisse, deren schmerzliche Auftritte wir zu beschreiben uns enthalten, wurden keineswegs durch subversive Leidenschaften besonderer Bevölkerungs-Classen hervorgerufen, dieselben sind im Gegentheil die etnmüthige und beredte Kundgebung mit Geringschätzung zurückgewiesener Gefühle und verkannter Bedürfnisse. Nachdem mehr als ein halbes Jahrhundert lang der ganzen Nation Leiden auf Leiden auferlegt worden, und zwar einer Nation, die Jahrhunderte lang durch freie Institutionen regiert wurde, sieht diese Nation sich sogar der gesetzmäßigen Stimme beraubt, ihre Schmerzen und den Ausdruck allgemein gefühlter Bedürfnisse zum Throne des Herrschers dringen zu lassen. Dieser ganze Stand der Dinge hat dieses Volk nothwendig dahin gebracht, daß es seine Stimme nur durch den Schrei seiner Opfer vernehmbar machen kann; daher bringt es solche im Ueberfluß dar. Im Grund der Seele eines jeden Bewohners dieses unglücklichen Landes glüht das tiefe Gefühl der besonderen Nationalität, welche von derjenigen der übrigen Völker Europa's verschieden ist. Dieses Gefühl trotzt den Einflüssen der Zeit und der Ereignisse; weit entfernt, es abzuschwächen, hat das Unglück es nur noch gesteigert. Alles, was dasselbe verletzt, oder was ihm Abbruch thut, bekümmert und beunruhigt die Gemüther. So hat denn dieser unheilvolle Einfluß alles Vertrauen zwischen der Regierung und den Regierten untergraben. Auch kann das Vertrauen nicht wieder erwachen, so lange die Anwendung gewaltsamer und durchaus wirkungsloser Repressiv-Maßregeln fortdauert. Unser Land, das einst auf der Höhe der Civilisation seiner europäischen Nachbarn stand, kann sich geistig und materiell so lange nicht entwickeln, als seiner Kirche, seiner Gesetz-