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Intelligenz-Blatt

der freien Stadt Frankfurt, verbunden mit dem Amtsblatt, Organ der hiesigen Staatsbehörden, und den Frankfurter Nachrichten als Extrabeilage.

(Expedition: am Gcistpförtchen, Schlachthausgasse 21.)

M 54. Dienstag den 5. März

1861.

Ueberblick der Ereignisse im Gebiete der politischen nnd materiellen Interessen.

Frankfurt, 5. März. (Zur Situation.) Ueber die syrische Frage sind die Meinungen der Preußischen Presse sehr getheilt. Die folgende Ansicht entneh­men wir einem schlesischen freisinnigen Blatte, daffelbe sagt: „Die öffentliche Mei­nung hat sich durch die Ereignisse der zwei letzten Jahre ein wenig von der Beobachtung der orientalischen Zustande abbringen lassen. Es thut aber noth, die Entwicklung und das Schicksal jener weiten Länderstrecke, die sich von Temeswar an der Donau bis zu den Mündungen des Euphrats ausdehnt, nicht aus den Augen zu verlieren. In der That, wer sieht nicht ein, daß, wenn eine Civilisation, wie wir sie in Europa haben, in jenem ausgedehnten Reiche herrschte, die Einwohnerzahl desselben dreimal so groß sein würde, und Europa mit demselben unermeßliche Handelsgeschäfte machen könnte. Heute aber mangeln auf diesem so glücklich gelegenen Territorium alle Straßen, Canäle und Eisenbahnen, die die unumgängliche Bedingung jedes materiellen Wohlstandes bil­den ; der Unterricht, die Wissenschaft, die Bildung des Menschen sind im rohesten Zu­stande der Barbarei, die christlichen und die verschiedenen heidnischen Bevölkerungen vom unwissendsten, habsüchtigsten Pfaffenthum beherrscht und bethört, versinken immer mehr in einen dumpfen Fanatismus und in Bulgarien z. B. sieht man griechische Po­pulationen nur deshalb zum Katholicismus übergehen, weil ihre Popen für Taufe, Ver- ehltchung und Begräbniß solche enorme Taxen verlangen, daß jede andere Lage vortheil- hafter wird, als die ewige Fortsetzung einer solchen Gelderpressung. Europa hat ein Interesse, daß die Luftleere, die durch eine solche, Jahrhunderte lang dauernde Zerrüttung aller Zustände gebildet worden, nicht exclusiv durch russische Luft wieder ersetzt werde. Es ist im Interesse von Oesterreich, von Italien, vom ganzen mittelländischen Meere, daß durch Europäische Wirkung und Intervention nach und nach in diesem Chaos Licht werde und die letzten allgemeinen Abschlachtungen in Syrien, wo mehr als 120,000 Menschen geopfert worden sind, haben es Europa zur Pflicht gemacht, die Wiederholung solcher Gräuel energisch zu verhindern. Daß dieses Ziel aber in sechs Monaten nicht erreicht werden kann, war schon im vorigen September voraussichtlich, und eine momentane Verlängerung der Europäischen Occupation liegt ebenso in der Natur der Dinge, als im Interesse des orientalischen Fortschrittes selbst. Diejenigen, die in den Rechten des Sultans einen Grund finden, eine. solche Occupation zu verhindern, vergessen aber, daß beim Pariser Frieden von 1856 die Pforte feierlich versprochen hatte, die Rechte der christlichen Bevölkerung zu beschützen. Wenn aber